Afrika-Hilfe der G8
Kommentar: Verblasste Erinnerungen

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In Afrika soll man lauten Jubel intonieren. Das erwartet man jedenfalls in Heiligendamm. Immerhin wollen die sich dort ein Stelldichein gebenden Spitzenrepräsentanten der G8-Staaten dem gebeutelten Kontinent allein zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten wie Aids, Malaria und Tuberkulose die stolze Summe von rund 60 Milliarden Dollar offerieren. Und dafür darf man schließlich ein gebührendes Dankeschön erwarten.

Dies umso mehr, als die an der Küste von Mecklenburg-Vorpommern versammelten Protagonisten einmal mehr versprechen, ihre vor zwei Jahren beim Gipfel im schottischen Gleneagles zu Protokoll gegeben Zusagen zur Aufstockung der weltweiten Entwicklungshilfe um immerhin 50 Milliarden Dollar pro Jahr einzuhalten. Solche Großzügigkeit lechzt geradezu nach einem lauten Bravo.

Allerdings stellt sich zwingend die Frage, warum solche Zusagen überhaupt verbal bekräftigt werden müssen. Die Präsentation der auf den bisher verschickten Überweisungsformularen ausgedruckten Beträgen wäre viel aufschlussreicher, als locker aus dem Strandkorb an der Ostsee heraus formulierte Statements. Aber dies würde ja den krassen Gegensatz zwischen hoch und heilig abgegeben Versprechen und der tatsächlichen Bereitschaft zur Hilfe und damit zur Übernahme globaler Verantwortung der Reichen auf unserem Globus dokumentieren.

Brutale Realität ist schließlich: Bereits vor nunmehr dreißig Jahren, in Worten: in der zweiten Hälfte der 70er-Jahre, wurde in der OECD ein Programm beschlossen, wonach die Industrienationen ihre Entwicklungshilfe Zug um Zug auf 0,7 Prozent ihres jeweiligen Bruttoinlandsprodukts anheben sollten. Die EU unterstützte diesen Vorsatz vollmundig. Und auch in den Vereinten Nationen wurde diese hehre Absicht bekräftigt. Das Ergebnis: Bis heute wurde dieses Ziel von niemandem erreicht, noch nicht einmal zur Hälfte. Eine Ausnahme bilden allenfalls einige skandinavische Staaten. Erinnerungen verblassen bekanntlich schnell. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird der Gipfel in Heiligendamm beim Thema Afrika und Entwicklungshilfe keine Ausnahme bilden. Ein Dankeschön vorab aus der Dritten Welt zu erwarten, wäre folglich schamlos.

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