Agassi verlässt SAP
Kommentar: Verschmerzbarer Verlust

SAP verliert seinen Chefentwickler Shai Agassi. Auf den ersten Blick klingt so etwas natürlich immer heftig. Und in der Tat sollte SAP die Entscheidung des gebürtigen Israeli nicht mit einem Federstrich beiseite wischen. Agassi war Visionär, wie sein Ziehvater Hasso Plattner. High-Tech-Firmen wie SAP benötigen solche Köpfe, zu schnell verpassen sie sonst wichtige Entwicklungen, gerade auf dem sich rasant ändernden IT-Markt. Noch dazu war Agassi verantwortlich für den Umbau des Kerngeschäfts, der Produktpalette hin zu modulareren Systeme.

Auf den zweiten Blick sieht die Sache dann allerdings schon weitaus entspannter aus. Erstens ist der Wechsel hin zur neuen Produktlinie nahezu abgeschlossen, steht die Technologie. Zum zweiten hängt die Produktentwicklung in der IT und auch in allen anderen Industrien niemals an nur einem Kopf. Insofern ist Agassis Abgang zwar schmerzhaft, aber zugleich auch verkraftbar. Drittens zeichnet für das größte Zukunftsprojekt der SAP, die neue Mittelstands-Software, sowieso jemand anderes verantwortlich.

Viel entscheidender ist für SAP allerdings eine ganz andere Frage: Wer wird Nachfolger von SAP-Chef Henning Kagermann? Gesetzt scheint seit Mittwoch Leo Apotheker zu sein. Doch damit stünde erstmals ein Vertriebsprofi und kein „Techi“ an der Spitze der deutschen Software-Schmiede. Ein sicherlich mutiger Schritt für einen technologiegetriebenen Konzern.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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