Air Berlin
Kommentar: Hunold hebt ab

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Erst hat sich Joachim Hunold den Billigflieger DBA geschnappt, dann die Charterfluggesellschaft LTU und jetzt schlüpft der Ferienflieger Condor unter das Dach seiner Air Berlin. Mit Condor, die im Geschäftsjahr 2005/2006 Verkehrserlöse von 1,172 Mrd. Euro einflog, verkürzt Air Berlin-Chef Hunold den Abstand zur Nummer eins, der Deutschen Lufthansa, Sitzplatz für Sitzplatz. Der „Achim“ wie er sich von Freund und Feind in der Branche nennen lässt, ist damit zum großen Konsolidator der deutschen Luftfahrt aufgestiegen.

Und was hat Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber gemacht? Er wusste von den Ambitionen Hunolds, hat ihn und seine rote Air Berlin aber nicht ernst genommen. Nach Informationen des Handelsblatts hat Mayrhuber seine Berater sowohl einst die Übernahme der LTU als auch jetzt die Wiedereingliederung des Ferienfliegers Condor prüfen lassen - und nicht zugegriffen. Die „alte Tante“ LTU war ihm aufgrund des Gewerkschaftseinflusses nicht ganz geheuer, das Ego von Condor-Mehrheitseigner Thomas Middelhoff schreckte ihn jetzt bei Condor. Ohnehin ist ihm das Ferienfluggeschäft zu zyklisch, eine Abhängigkeit von Reiseveranstaltern passt ihm nicht ins Konzernkonzept. Dass ihm Hunold und Arcandor-Chef Middelhoff, jetzt die Pistole auf die Brust setzen und die Freigabe des 25-Prozent-Anteils an Condor fordern, kann ihm aber noch weniger passen.

Der große Verlierer des jüngsten Middelhoff-Hunold-Coups ist aber ein Dritter: Michael Frenzel. Der Chef des Reisekonzerns Tui hat seine Fluggesellschaft Tuifly zum Verkauf angeboten und ist auf ihr sitzen geblieben wie ein pickliger Jüngling am Rande der Tanzfläche. Die erst zu Beginn des Jahres aus der Billigfluglinie HLX und dem Charterflieger Hapaqfly hervorgegangene Konzernfluglinie hat sich im hart umkämpften Markt nicht durchsetzen können. Tuifly droht jetzt zwischen den beiden großen Gruppen Air Berlin mit DBA, LTU und Condor auf der einen sowie Deutsche Lufthansa und Germanwings auf der anderen Seite zerrieben zu werden.

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin

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