Air Berlin übernimmt LTU
Kommentar: Überraschungscoup

Seit Jahren diskutieren Luftfahrt- und Touristikexperten die Konsolidierung der deutschen Flugbranche. Nun ist sie da - in einem Überraschungscoup und auf einen Schlag. Dass Air Berlin das Düsseldorfer Unternehmen LTU übernimmt, war verschiedentlich spekuliert worden. Doch niemand anders als Air Berlin-Chef Joachim Hunold, der seine Karriere in der Branche ausgerechnet in Düsseldorf bei LTU begann, hatte stets widersprochen.

Erst im letzten Sommer hatte Air Berlin die einst als Lufthansa-Konkurrent angetretene DBA gekauft, da schien es logisch, dass Air Berlin erst einmal eine Pause bei der weiteren Expansion brauchte. Doch offenbar ist die Integration der letzten Übernahme so reibungslos vollzogen, dass sich Hunold schon wieder auf Neuland traut. Dieses Mal ist es gleich die ganze Welt. Während er mit seiner bisherigen Flotte ausschließlich den Kurz- und Mittelstreckenbereich bediente, wird er nun Chefpilot einer Langstreckenflotte für Interkontinentalflüge.

Damit dringt Air Berlin in völlig neue Kosten- und Risiko-Bereiche vor, die nicht vergleichbar sind. Es ist sicher kein Zufall, dass das Billigfliegen bislang weltweit auf die kurzen Entfernungen beschränkt bleibt. Doch Hunold wäre nicht Hunold, wenn er diese Risiken nicht sehen und kalkulieren könnte. Er verfügt nun über einen Flugzeugpark, der praktisch alle Dienste möglich macht.

Nicht viel anders als Lufthansa kann er sein immer dichter werdendes europäisches Netz ideal dazu nutzen, um Langstreckenflüge in die USA wie nach Fernost zu füllen. Dieses "Feeder"-Prinzip ist es, das auch bei der Kranich-Airline das häufig bediente Netz in Deutschland und Europa möglich macht. So mancher Kurzstreckenflug wird quasi durch die Tickets der Langstreckenpassagiere subventioniert. Das wird auch Air Berlin so organisieren können. Die schnell gewachsene Fluggesellschaft hat innerhalb kurzer Zeit den Spagat vom Ferienflieger für Pauschaltouristen über den Einzelplatzverkauf zu günstigen Preisen (Low-Cost-Flüge) bis hin zur Airline für Geschäftsreisende geschafft (Werbespruch "Business fliegen für alle").

Ein Problem mehr hat Hunold aber. Der bekennende Gegner von Gewerkschaften und Betriebsräten hat sich nicht nur bei der DBA-Übernahme, sondern auch jetzt bei LTU eine Arbeitnehmervertretung eingehandelt, die oft zäh auf einst ausgehandelten Privilegien beharrt. Dass LTU in der Vergangenheit immer wieder als Pleite-Kandidat gehandelt wurde, lag nicht zuletzt auch daran. Mag sein, dass die schlechten Zeiten vorüber sind. Denn die bisherigen Eigentümer Wöhrl und Marbach hatten erst kürzlich verkündet, der Ferienflieger sei auf dem Weg in die schwarzen Zahlen. Das hätte er dann mit Air Berlin gemein. Auf der Bilanzpressekonferenz heute Nachmittag in Berlin will Air Berlin, erst vor einem Dreivierteljahr an die Börse gegangen, erstmals einen 50 Millionen-Gewinn verkünden.

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