Airbus
Analyse: Wege aus dem Chaos

Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag in Paris Frankreichs Präsidenten Jacques Chirac trifft, wird die Krise des europäischen Flugzeugherstellers Airbus oben auf der Agenda stehen. Der Diskussionsbedarf ist groß: Wieder einmal droht das einstige Vorzeige-Unternehmen durch nationale Egoismen an die Grenzen der Handlungsfähigkeit zu geraten.

Immer deutlicher wird, dass der neben Boeing größte Flugzeugbauer der Welt auf wackeligen Beinen steht und effizientere Strukturen benötigt.Der bevorstehende Rücktritt des Airbus-Chefs Christian Streiff verdeutlicht die Instabilität: Weil der französische Manager eine harte Restrukturierung durchziehen wollte, die deutsche Standorte wie Hamburg geschwächt hätte, ist er untragbar geworden. Das sorgsam austarierte Äquilibrium zwischen der deutschen und der französischen Seite gilt eben nicht nur in der Airbus-Muttergesellschaft EADS, sondern auch bei der Verteilung der Airbus-Fertigung zwischen den beteiligten Ländern. Die personellen Querelen verdecken die tiefer sitzenden Probleme. Diese sind in der vertrackten Form des eigentlich privaten und dennoch hochpolitisierten Konzerns begründet.

Dass dieses Unternehmen, dessen Taufpaten europäische Regierungen waren, nicht von heute auf morgen zu einer ganz normalen Firma werden kann, dürfte jedem klar sein. Dennoch sollten alle Beteiligten – Aktionäre und Regierungen – Maßnahmen vorantreiben, die dem Ziel einer langfristigen Wettbewerbsfähigkeit der Firma dienen.

Zunächst muss die Konzernstruktur vereinfacht werden. Diesem Ziel dienlich wäre eine Verschmelzung von Airbus mit EADS. Solange der britische Luftfahrt- und Rüstungskonzern BAE-Systems noch mit zwanzig Prozent an Airbus beteiligt war, musste der Flugzeugbauer eine formale Unabhängigkeit als eigenständiges Unternehmen besitzen. Nun sind die Briten vor kurzem ausgestiegen, wodurch Airbus als Hundert-Prozent-Tochter zum Anhängsel der EADS mutiert. Alle für Airbus strategischen Entscheidungen werden künftig in der EADS-Spitze getroffen. Da kann man sich einen eigenen CEO getrost sparen, zumal der Fall Streiff zeigt, dass Gerangel zwischen dem Management der Mutter und jenem der Tochter unumgänglich sind.

Helfen könnte eine Verschmelzung auch, den „Morbus Forgéard“ zu bekämpfen. Unter der Ägide des vorletzten Airbus-Chefs hatte sich das Management voll auf das Prestigeprojekt des Super-Jumbos A380 konzentriert. Den Kunden wurden mitunter unhaltbare Versprechungen gemacht, dabei aber wichtige Entwicklungen bei den Brot-und-Butter-Fliegern in der Mittel- und Langstrecke, vor allem beim Typ A350, verschlafen. Das konnte nur geschehen, weil die Holding zu lange Leine gab.

Zweitens sollten klare Berichtswege die Entscheidungen transparenter machen. Fest steht, dass nach einer Fusion von Airbus und EADS nur noch ein Topmanager die Gesamtverantwortung für den mit einem Umsatzanteil von zwei Dritteln wichtigsten Konzernteil tragen wird. Das ist per se gesehen gut. Aber wer wird ans Ruder kommen? Die französische Seite will unbedingt EADS-Co-CEO Louis Gallois durchdrücken. Das kann der deutschen Seite wiederum nicht recht sein, da damit deren Gewährsmann Tom Enders Macht abgeben müsste. Auch für die Frage, wo produziert wird, könnte die Personalie eine Rolle spielen.

Dies wiederum tangiert den dritten Punkt, den das Management anpacken sollte: Die Fertigung muss effizienter werden. Dass die Flugzeuge derzeit in 16 Standorten in vier Ländern hergestellt werden, Teile über den halben Kontinent gekarrt werden, hat nichts mit Betriebswirtschaft und viel mit Politik zu tun. Die Produktion zu straffen ohne die Äquilibrien zu zerstören, wird für jeden eine Herkulesaufgabe sein.

Bleibt als viertes Ziel der schrittweise Rückzug der Politik. Diesem Ziel könnte, so absurd es klingt, ein indirekter Einstieg der Bundesregierung über die KfW sogar dienlich sein. Es hat sich als schädlich erwiesen, dass Frankreich per Staatsbeteiligung dem Aktionärskreis angehört, Deutschland dagegen nur über den privaten Aktionär Daimler-Chrysler mitregiert. Würde Berlin ein Gleichgewicht herstellen, könnte eine erwünschte Neutralisierung der staatlichen Einflüsse die Folge sein.

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