AIRBUS
Kein Platz für Machtsapiele

Die Berufung des Franzosen Louis Gallois an die Airbus-Spitze könnte wie eine Niederlage für die deutsche Seite aussehen – sie ist es aber nicht.

Sicher: Da Gallois künftig EADS-Co-CEO und Chef von Airbus ist, wird er der mächtigste Manager im Konzern. Doch eine Vereinfachung der byzantinischen Entscheidungsstrukturen im Konstrukt EADS/Airbus ist nötiger denn je.

Airbus braucht jetzt einen Piloten, der sowohl über industrielle Erfahrung verfügt als auch einen guten Draht zu den Gewerkschaften hat. Beides bringt Gallois mit. Seine Nationalität ist daher zweitrangig. Bereits zweimal hatte die französische Seite den Deutschen diese Vereinfachung der Strukturen – Zusammlegung von EADS und Airbus-Spitze in einer Person – vorgeschlagen und war bislang immer auf Ablehnung gestoßen.

Das Misstrauen der Deutschen hat seine Gründe. Denn die Erfahrungen aus der Ära Forgeard haben die Deutschen gelehrt, ebenfalls in Machtkategorien zu denken. Angesichts der derzeitigen Krise im Konzern gibt es aber für Machtspielchen überhaupt keinen Platz mehr.

EADS und Airbus stehen am Scheideweg: Entweder die Gesellschaft beschreitet weiter den Weg in die Normalisierung. Dann müssen auch schmerzliche Entscheidungen wie die Neuorganisation der Produktion unabhängig vom betroffenen Land möglich sein. Oder die sakrosankte Balance zwischen Deutschen und Franzosen bleibt weiter das Leitmotiv, und man opfert ihr die betriebswirtschaftliche Logik.

Die Folgen dieses Wegs sind am Produktionschaos bei der A380 abzulesen. Das Denken, dass bei EADS die Entscheidung eines Franzosen über Dinge in Deutschland schlecht für die Deutschen und gut für die Franzosen sein wird, muss aufhören. So gesehen, ist die Berufung Gallois ein richtiger Anfang.

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