Aktien
Analyse: Gut gerüstet

Die US-Notenbank senkt die Zinsen, und die Aktienkurse schießen durch die Decke. Die Rally kommt mit Ansage, schließlich belegen Statistiken, dass niedrigere Zinsen Aktien beflügeln. Insofern steht einer pünktlich startenden Jahresendrally nichts im Wege. Doch wie bei allen Statistiken liegen die Probleme im Detail, so dass allzu banale Schwarz-Weiß-Folgerungen fehl am Platz sind.
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Steigende Zinsen belasten die Unternehmen, weil sich dadurch ihre Fremdfinanzierungskosten erhöhen. Das schmälert künftige Gewinne. Gleichzeitig werden alternative Anlagen wie Anleihen attraktiver, weil sie mehr Zinsen bringen. So wirft die in Europa maßgebliche Staatsanleihe mit zehn Jahren Laufzeit heute 40 Prozent mehr Rendite ab als noch vor zwei Jahren.

Umgekehrt beflügeln sinkende Zinsen, wie sie die US-Notenbank am Dienstag verkündete, die Börsen. Berechnungen der Landesbank Baden-Württemberg zeigen, dass der Dax ein Jahr nach der ersten Zinssenkung in den USA durchschnittlich 15,3 Prozent höher notierte. Grundlage sind die acht Zinssenkungsphasen seit den 70er-Jahren.

Derlei Durchschnittsbetrachtungen leiden aber stets darunter, dass Ausreißer nach oben und unten „eingeebnet“ werden. So ist ausgerechnet die letzte Zinssenkungsphase, die Ex-Notenbankchef Alan Greenspan am 3. Januar 2001 einleitete, die große Ausnahme von der Regel. Denn ein Jahr nach dem ersten Zinsschritt hatte der Dax 13,5 Prozent eingebüßt, bis zur letzten Zinssenkung am 25. Juni 2003 sogar 50 Prozent.

Viel spricht allerdings dafür, dass die Börsen diesmal nicht vor einem ähnlichen Desaster stehen. Denn vor sechs Jahren, als die Internetblase gerade zu platzen begann und die Notenbank mit insgesamt 13 Zinssenkungen eine Rezession vermeiden wollte, waren die Voraussetzungen anders und für die Börsen schwieriger als heute.

Erstens waren Aktien teurer. Durchschnittlich bezahlten Anleger für die Anteilsscheine im Dax knapp das 24-Fache des jährlichen Konzerngewinns. Heute ist es die Hälfte. Das macht die Papiere billiger und damit attraktiver. Zweitens waren Anleger damals sehr optimistisch. Nach der imposanten Börsenrally in der zweiten Hälfte der 90er-Jahre und einer beispiellosen Technologie-Euphorie glaubte die große Mehrheit an weiter steigende Kurse. Nicht Umsätze und Gewinne bestimmten die Märkte, sondern Hoffnungen und Visionen. Dementsprechend viel hatte die Mehrheit investiert – und keine weiteren Mittel, neue Aktien zu kaufen.

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