Aktien
Zaudern oder Zocken

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Rund 750 Punkte hat der Deutsche Aktienindex seit Mitte August zugelegt. Das entspricht einem Zuwachs von knapp zehn Prozent. Das sind mehr als doppelt so viel wie Anleger jährlich auf Tagesgeldkonten mit Spitzenkonditionen erhalten und auch weit mehr, als die meisten Garantiefonds und -zertifikate als Jahresrendite ausschütten.

Und doch erfreuen sich Vollkaskoanlagen wie Geldmarkt- oder Garantieprodukte in Deutschland einer stetig steigenden Beliebtheit, während die Anleger um Aktien und Aktienfonds einen immer weiteren Bogen machen. Auf lange Sicht verschenken die Deutschen Milliarden Euro, weil sie den Kollaps des Neuen Marktes zur Jahrtausendwende nicht aus den Köpfen bekommen.

Grundsätzlich tun die Anleger ja auch gut daran, den Einbruch von damals nicht zu verdrängen. Allerdings ziehen sie die falschen Schlüsse daraus. Nicht die Entscheidung für den Schritt an die Börse war damals das Problem, sondern die falsche Erwartungshaltung: Mit dem klaren Anspruch, mit geringem Einsatz in kurzer Zeit reich zu werden, stürzten sich die Massen in den Aktienmarkt und landeten so fast automatisch bei den falschen Titeln.

Ähnlich war das Bild in diesem Frühjahr: Angelockt von vier Jahren Rally mit gewaltigen Kursgewinnen, kehrte manch ein Privatanleger in der Hoffnung auf einen schnellen Euro an die Börse zurück. Doch die Finanzkrise machte diese Hoffnung schnell zunichte. Kurzfristige Rückschläge gehören an der Börse allerdings dazu. Sie schaffen Potenzial für neue Aufwärtsbewegungen. Langfristig sind Aktien die überlegene Anlageform. Allerdings sind Aktien auch keine Wunderwaffe, die jedes Jahr hohe zweistellige Renditen abwirft. Für Anleger, die langfristig denken, gibt es keinen Grund, auf Aktien zu verzichten.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)

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