Aktienemissionen
Analyse: Besseres Klima

Die Unternehmen schöpfen wieder Mut. Immer mehr Gesellschaften wagen sich aus der Deckung und nutzen den Kapitalmarkt, um Aktien zu platzieren und an frisches Geld zu kommen.

Die Unternehmen schöpfen wieder Mut. Immer mehr Gesellschaften wagen sich aus der Deckung und nutzen den Kapitalmarkt, um Aktien zu platzieren und an frisches Geld zu kommen. Drei Beispiele: Die Kreditanstalt für Wiederaufbau platziert die weltweit größte Umtauschanleihe auf Aktien der Deutschen Telekom. Mit der Bank Austria und dem britischen Telefonauskunftsdienst Yell schließen gleich zwei Unternehmen ihre milliardenschweren Börsengänge ab. Kein Zweifel: Nach langer Flaute greifen zumindest die Großinvestoren bei Aktienplatzierungen wieder zu.

Die Stimmung bei den großen Spielern ist schnell, sehr schnell umgeschlagen. Doch die Lage an den Kapitalmärkten hat so viel Druck erzeugt, dass die Profi-Investoren an Aktienemissionen einfach nicht mehr vorbeikommen. Denn mit Anleihen ist angesichts der anhaltend niedrigen Zinsen nur noch wenig Staat zu machen. Das gilt selbst bei Bonds, die von Unternehmen begeben werden und mit einem Risikoaufschlag gegenüber Staatsanleihen locken. Auf der anderen Seite haben Aktien – speziell auch in Deutschland – in den vergangenen Wochen kräftig zugelegt. Nach diesem rasanten Aufschwung ist am breiten Markt in den nächsten Monaten allerdings nur noch mit stagnierenden Kursen zu rechnen.

Aktienemissionen können einen Ausweg aus dem Anlagedilemma bieten. Institutionelle Investoren müssen auf einzelne Werte mit hohem Kurspotenzial setzen, wenn sie den Markt schlagen und eine bessere Ertragsentwicklung als die große Masse der Anleger erzielen wollen. Börsengänge versüßen diese Strategie, da die neuen Aktien immer mit einem Abschlag auf den fairen Wert an den Markt kommen. Außerdem zeigt die Erfahrung, dass sich die Newcomer zwölf Monate nach dem Börsengang besser entwickeln als der Gesamtmarkt. Auch die Risiken lassen sich kontrollieren: Vor dem Gang an den Aktienmarkt werden die Unternehmen auf Herz und Nieren überprüft. Nach den bösen Überraschungen zu Zeiten des Börsenhypes können sich die Investmentbanken keine neuen Skandale leisten.

Als Kandidaten für Kapitalmaßnahmen kommen vor allem Unternehmen in Frage, die während der Boomphase als Langweiler verschrien waren. Defensive Geschäftsmodelle erleben eine wahre Renaissance. Neben einem attraktiven Preis fordern die Investoren auch eine attraktive Dividendenrendite, wie sie etablierte Unternehmen mit erprobter Strategie wie Bank Austria oder Yell erwirtschaften können. Aber auch der eine oder andere Problemkandidat etwa aus der Finanzbranche könnte sich in diesem Jahr noch auf die Suche nach frischem Kapital machen müssen. Erfolg können solche „Notplatzierungen“ aber nur haben, wenn die Unternehmen einen hohen Abschlag bieten, der durchaus bei 30 bis 40 Prozent des aktuellen Kurses liegen kann.

Den Managern kommt der neue Appetit der Großanleger auf Aktien gerade recht. In den vergangenen Monaten hat eine neue Generation von Vorständen das Steuer in der deutschen Wirtschaft übernommen. Die Newcomer wollen zeigen, was in ihnen steckt. Die neue Garde ist nicht nur jung und voller Tatendrang, sondern auch aggressiv und kreativ beim Durchsetzen ihres Ziels: Wert für das Unternehmen und seine Aktionäre schaffen. Nachdem viele Manager zumindest die gröbsten Probleme in ihren Firmen beseitigt haben, geht der Blick jetzt wieder nach vorne. Dazu gehört es auch, auf der Klaviatur der Kapitalmärkte zu spielen.

Frisches Geld von der Börse können die Chefs für Übernahmen nutzen, um so von den günstigen Preisen in Zeiten der Konsolidierung zu profitieren. Oder sie trennen sich von Randaktivitäten – auch hier bieten die Börsen wieder eine echte Alternative.

Trotz der besseren Aussichten und des frischen Mutes bei vielen Vorständen bleibt der Markt für Aktienplatzierungen vorerst ein zartes Pflänzchen, das gehegt werden muss, um weiter zu gedeihen – das gilt vor allem für Deutschland. Nur wenn sich die konjunkturelle Lage stabilisiert und dem Aktienmarkt weitere Einbrüche erspart bleiben, kann die Kapitalmarktkultur weiter aufblühen. Aktive Hilfe kann die Bundesregierung im Zusammenspiel mit der Opposition leisten. Nur wenn es in Deutschland endlich Reformen gibt, die diesen Namen verdienen, fassen ausländische Investoren wieder Vertrauen zum deutschen Markt. Noch herrscht große Skepsis. Ohne die Unterstützung der Politik wird Deutschland auch in Sachen Aktien- und Kapitalmarkt die rote Laterne in Europa übernehmen.

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