Aktienmärkte
Rückkehr zur Realität

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Fed-Chef Ben Bernanke hat genau das getan, was die Aktienmärkte von ihm verlangt haben – und dennoch gehen die Kurse in den Keller. Keine 24 Stunden, nachdem der Chef der US-Notenbank die Zinsen um einen Viertel Prozentpunkt gesenkt hat, herrscht an den Börsen Alarmstimmung: Der Ölpreis steht kurz vor der Marke von 100 Dollar, der Euro nimmt Kurs auf 1,50 Dollar, das globale Wirtschaftswachstum gerät in Gefahr.

Nun sind diese Risiken keineswegs neu. Der Euro-Kurs klettert ebenso wie die Rohöl-Notierungen bereits seit Wochen von Rekord zu Rekord. Aber im Vertrauen auf die helfende Hand der Fed schenkten die Anleger den wachsenden Belastungen keine Beachtung. Bernanke würde es schon richten. So wie er im Sommer die Finanzkrise mit einem entschlossenen Zinsschritt scheinbar kurzerhand weggewischt hatte.

Inzwischen weiß man, dass diese Einschätzung ein Trugschluss war. Die regelmäßigen Hiobsbotschaften der internationalen Großbanken zeigen, wie allgegenwärtig die Finanzkrise nach wie vor ist. Und die Langfristfolgen für die Konjunktur sind noch gar nicht abzusehen. Die Belastungen für die Verbraucher durch Ölpreis- und Euro-Rekord machen die Lage nicht leichter.

Die deutlichen Verluste am Tag nach der Fed-Entscheidung sind vor diesem Hintergrund ein gutes Zeichen. Sie zeigen, dass die Botschaft der wachsenden Risiken endlich auch an der Börse angekommen ist. Auch wenn die ersten Anleger in ihrer Not schon wieder einen Nachschlag der Fed im Dezember fordern, stehen die Chancen gut für eine Rückkehr zur Realität. Aktien sind nach fünfeinhalb Jahren Kursanstieg zwar immer noch nicht teuer. Ein Selbstläufer ist die Rally aber längst nicht mehr.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)

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