Aktive Investoren
Heuschrecke von links

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Überhöhte Managergehälter sind ein populäres Thema. „Ungerecht!“ heißt es von links mit Blick auf die Steigerungen der letzten Jahre, denen auf Arbeitnehmerseite oft nur spärliche Zuwächse gegenüberstehen.Jetzt bekommen die Kritiker Unterstützung von Leuten, die sie bisher nicht zu ihren Freunden zählten: den Hedge-Fonds.

Der britische Fonds Algebris Investments greift den Präsidenten der italienischen Versicherung Generali, Antoine Bernheim, an: Im vergangenen Jahr habe er insgesamt neunmal so viel verdient wie der Präsident des deutlich größeren französischen Konkurrenten Axa, kritisiert der Fonds, hinter dem Davide Serra steht, ein ehemaliger Star-Analyst von Morgan Stanley. Bernheims Fixgehalt war zudem viermal so hoch wie das des Axa-Chefs und zweimal so hoch wie das des Allianz-Chefs. Spätestens dieses Beispiel zeigt: Hedge-Fonds, die ja gerne unter der Kategorie „Heuschrecke“ einsortiert werden, ziehen nicht nur schnellen Gewinn an Land. Sie können auch Missstände aufdecken und Manager auf Trab bringen.

Auch in anderen Fällen dürfte sich noch zeigen, dass der empörte Aufschrei beim Auftritt „aktivistischer Investoren“ nicht gerechtfertigt ist. Bei der Deutschen Börse hat der Hedge-Fonds TCI vor zwei Jahren dafür gesorgt, dass der Vorstandsvorsitzende Werner Seifert seinen Hut nehmen musste und dass sich Frankfurt nicht mit der London Stock Exchange vereint hat. Das hat zwar dazu geführt, dass die Deutsche Börse beim großen europäischen Fusionspoker außen vor blieb. Doch das muss nicht unbedingt negativ sein, wie die satten Gewinne der Frankfurter zeigen. Konsolidierung ist eben nicht immer gut für Investoren und Unternehmen. Sie kann auch Werte verbrennen. Manchmal dient sie vor allem den Managern, die aus Abenteuerlust oder persönlichem Kalkül Fusionen vorantrieben.

Bei ABN Amro hat TCI dagegen mit seiner Kritik den Anstoß gegeben, das Traditionshaus aufzuspalten. Aber die Bank hatte durchaus ihre strategischen Schwächen, vielleicht wird sich dort in Zukunft zeigen, dass die einzelnen Sparten bei ihren neuen Eigentümern besser aufgehoben sind. TCI, das zeigen die Beispiele, geht nicht nach Schema F vor, sondern agiert je nach Fall völlig unterschiedlich.

Die deutsche Politik bleibt dagegen leider im Kästchendenken stecken: hier die guten Manager, dort die bösen Heuschrecken. Mit dem geplanten Risikobegrenzungsgesetz will die Regierung den Einfluss von „aktivistischen Investoren“ einschränken. Mit neuen Regeln zur Auskunft über die Identität von Aktionären kann die Unternehmensführung die Opposition in der Hauptversammlung limitieren. Auch die Klausel, wonach Aktionäre bereits dann „konzertiert“ agieren, wenn sie gemeinsam die unternehmerische Ausrichtung der Gesellschaft erheblich beeinflussen, könnte jede Opposition unterbinden. Denn damit riskieren auch Investmentfonds, die sich etwa der Meinung eines Hedge-Fonds anschließen, unangenehme Konsequenzen.

Die Regierung sollte sich der Erkenntnis öffnen: Nicht immer entspricht das Wohl des Managements dem Wohl des Unternehmens, wie der Fall Generali ganz simpel demonstriert. Heuschrecken können sich auch als Nutztiere erweisen – wenn man sie lässt.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

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