Alarmsignale für die Industrie
EU-Kommissarin will Emissionshandel nachschärfen

EU-Kommissarin Hedegaard will den Emissionshandel nachschärfen. Die Kritik der Unternehmen ist berechtigt. Der Emissionshandel hat somit einen großen Teil seiner Lenkungswirkung verloren.
  • 4

Stellen Sie sich vor, Ihre Hausbank würde die Konditionen Ihrer Immobilienfinanzierung mit langfristiger Zinsfestschreibung wegen veränderter Marktbedingungen „anpassen“ - zu Ihren Ungunsten. Sie wären erbost und würden alles versuchen, um höhere monatliche Belastungen zu verhindern, wahrscheinlich mit guter Aussicht auf Erfolg. Jeder Vergleich hat seine Schwächen, im Prinzip aber muss sich die Industrie angesichts der Pläne von EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard so fühlen wie ein Bankkunde, dessen Vertragskonditionen im Nachhinein verschlechtert werden.

Die Pläne, die Hedegaard gestern in Brüssel vorgestellt hat, sind ein Alarmsignal für die Industrie. In den energieintensiven Branchen Stahl, Metalle, Chemie, Baustoffe, Papier und Glas geht die Angst vor zusätzlichen Belastungen um, wenn Hedegaard sich durchsetzt. Die Klimakommissarin will in den kommenden Jahren Emissionszertifikate zurückhalten, um die Preise nach oben zu treiben.

Aus Hedegaards Sicht ist der Plan alternativlos. Die Preise für Emissionszertifikate sind ins Bodenlose gefallen, sie kosten seit Monaten gerade einmal sieben Euro. Noch 2008 war der Wert kurzfristig in Richtung 30 Euro hochgeschnellt. Angesichts des Preisverfalls fehlen für die Industrie die Anreize, in die Steigerung der Effizienz zu investieren. Der Emissionshandel hat somit einen großen Teil seiner Lenkungswirkung verloren.

Doch auf die lässt sich im Moment auch gut verzichten: Die EU ist bei der Erreichung ihrer Treibhausgas-Minderungsziele für 2020 auf sehr gutem Wege. Nur muss sich die Industrie nicht ganz so sehr anstrengen wie noch vor wenigen Jahren gedacht. Dafür gibt es drei Gründe: So hat die Finanz- und Wirtschaftskrise das Niveau wirtschaftlicher Aktivität in Europa so nachhaltig gedämpft, dass die Nachfrage nach Zertifikaten langfristig niedriger ausfällt als ursprünglich prognostiziert. Diese Entwicklung kann man der Industrie jedoch nicht vorwerfen.

Ein weiterer Grund: Der Markt wurde mit Zertifikaten geflutet, die außerhalb der EU erwirtschaftet wurden - mitunter ohne große Anstrengungen, teilweise sogar unter fragwürdigen Bedingungen. Auch das drückt die Preise. Außerdem sinkt mit jedem Windrad und jeder Photovoltaikanlage, die fossile Kraftwerkskapazitäten aus dem Markt drängen, die Nachfrage nach Zertifikaten.

Seite 1:

EU-Kommissarin will Emissionshandel nachschärfen

Seite 2:

Hedegaard könnte die Blaupause zerstören

Kommentare zu " Alarmsignale für die Industrie: EU-Kommissarin will Emissionshandel nachschärfen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Da stellt sich als erstes die Frage, in welcher Welt die Eurokraten leben, vielleicht auf dem Mars oder noch weiter weg?
    Dieser Plan kommt tatsächlich zum passendsten Zeitpunkt: Die Wirtschaft geht den Bach runter, weltweit flüchten die Anleger aus der Eurozone, und Brüssel möchte die Wirtschaft zusätzlich bluten lassen.

  • Diese ganze Ökolüge muß ja weitergehen. Ist ein bißchen ins Hintertreffen geraten durch die Euro-Krise
    Und wer bitte ist Frau Hedegaard? Ich kann mich nicht erinnern, die gewählt zu haben.

  • Den Politikern geht es nicht um die Umwelt!
    Der Umweltschutz ist nur ein Scheinargument, um noch mehr Geld von der Industrie, und damit auch indirekt von den Verbrauchern, in den großen Umverteilungstopf nach Brüssel zu schleusen.
    Wir nähern uns immer schneller einem Neo-Sozialismus!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%