Alitalia
Berlusconis Flop

Noch bevor die Wahl in Italien entschieden ist, steht der erste Verlierer fest: Die Rettung der angeschlagenen Fluggesellschaft Alitalia ist dem Wahlkampf geopfert worden. Eine Analyse.
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Keine zwei Wochen vor dem Urnengang hat Air France-KLM die Gespräche mit den Gewerkschaften von Alitalia abgebrochen, weil diese in ihren Forderungen stur blieben. Die Verhandlungen wären vielleicht anders ausgegangen, hätten die Arbeitnehmervertreter nicht einen ungewöhnlichen Verbündeten im Rücken gehabt: den Anführer der Mitte-rechts-Opposition und Premier-Kandidaten Silvio Berlusconi. Der angeblich liberale Medienunternehmer Silvio Berlusconi hat sich in den vergangenen Wochen als größter Protektionist Italiens aufgespielt. Den Verkauf an Air France-KLM brandmarkte er als unverantwortlich und malte bereits Horrorszenarien für den italienischen Tourismus an die Wand: Die Millionen von neuen Touristen aus Indien und China würden in Zukunft von Air France direkt an die Loire-Schlösser befördert und nicht mehr zum Kolosseum, nach Pompei oder in die Uffizien.

Berlusconi kündigte an, dass er, sobald er gewählt würde, die Übernahme von Alitalia durch Air France-KLM stoppen werde. Als Retter des Nationalstolzes von Alitalia brachte er seine eigenen Kinder ins Spiel: Sie sollten gemeinsam mit anderen italienischen Unternehmern als patriotischen Akt die angeschlagene Airline übernehmen. Er selbst machte damit eine „bella figura“ und stellte die scheidende Mitte-links-Regierung als neoliberalen Ausverkäufer italienischer Werte hin.

Beim Wahlvolk kommen solche Sprüche an. Aber für die Verhandlungen waren sie verheerend. Die Gewerkschaften fühlten sich in ihrem Widerstand gegen Air France gestärkt und haben so die letzte Hoffnung auf ein Überleben der Airline dank Air France-KLM zunichte gemacht. Dabei verbrennt die italienische Fluggesellschaft täglich eine Million Euro. Und schon im Sommer werden ihr die liquiden Mittel ausgehen, falls nicht noch ein weißer Ritter auf den Plan tritt.

Seit eineinhalb Jahren versucht der italienische Staat bereits, sich von seinen knapp 50 Prozent der Anteile an Alitalia zu trennen. Im letzten Sommer war eine Auktion aus Mangel an Interesse gescheitert. Seit Januar verhandelte die Regierung exklusiv mit Air France-KLM, und seit Mitte März lag ein verbindliches Angebot der Franzosen vor. Mit der Übernahme der Schulden und der geplanten Kapitalerhöhung von einer Milliarde Euro wollten die Franzosen insgesamt 1,7 Milliarden Euro auf den Tisch legen. Doch das ist nun Geschichte. Bis zum letzten hat der Air-France-KLM-Chef Jean-Cyrill Spinetta versucht, die neun Gewerkschaften von Alitalia zu überzeugen, die geplanten Einschnitte zu akzeptieren. Ohne Erfolg.

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