Alitalia
Harter Brocken

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Für die angeschlagene Fluggesellschaft Alitalia schlägt die Stunde der Wahrheit. Air France-KLM, die italienische Air One und ein nicht bekannter dritter Interessent sind nach dem Ausstieg von Lufthansa als einzige Bieter für die Italiener übrig geblieben. Sie haben ein unverbindliches Angebot vorgelegt, die Betonung liegt auf unverbindlich. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

Denn Alitalia ist und bleibt ein Problemfall. Die Mitarbeiter gehören zu den am besten bezahlten der Branche, und die Gewerkschaften werden sich gegen alle Pläne wehren, die einen Stellenabbau vorsehen. Aber der ist unausweichlich.

Sicher ist Italien ein interessanter Markt, sowohl für Ferienflieger als auch für Geschäftsreisende, vor allem im Norden des Landes. Aber muss man sich dafür 1,2 Milliarden Schulden, laufende Millionenverluste und eine renitente Belegschaft aufhalsen? Lufthansa zieht schon heute jede Menge Fluggäste aus Italien ab. Gerade im reichen Norden des Landes wählen die Businessflieger mangels Alitalia-Direktverbindungen für ihre Langstreckenflüge oft die Drehkreuze in London, Frankfurt und Paris.

Air France hat bei der Ankündigung seiner Offerte die Unterstützung der gesamten Belegschaft als Bedingung für ein Engagement genannt. Angesichts der ständigen Proteste der Mitarbeiter klingt das wie eine Ausstiegsoption. Wer weiß, ob die Franzosen oder Air One überhaupt bis zum Schluss durchhalten. Nur wenn Alitalia einem neuen Eigner freie Hand lässt, gibt es eine wirtschaftliche Zukunft für die Fluggesellschaft. Wie sie aussehen könnte, hat Lufthansa mit Swiss vorgemacht – aber dort war die Lage längst nicht so verfahren. Unter den obwaltenden Bedingungen hätte Lufthansa den Umschwung bei Alitalia wohl kaum geschafft. Jetzt kann sie erst einmal zuschauen, ob sich andere die Zähne ausbeißen.

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