Allianz
Notwendiger Burgfrieden

Die Zeremonie war schlicht: zwei kurze Ansprachen, ein knapper Händedruck, der Versuch eines Lächelns.

Knapp dreißig Minuten, und Mitarbeiter und Vorstand der deutschen Allianz hatten ihren historischen Kompromiss besiegelt: Das Betriebsmodell, der wohl gründlichste Umbau in der Geschichte des Versicherers, kommt, im Gegenzug nimmt der Konzern wichtige Abstriche an seinen Rationalisierungsplänen vor.

Die Verantwortlichen der Allianz müssen sich seit Freitag fragen lassen, ob sie diese Einigung nicht billiger hätten haben können, ohne all die Schlagzeilen, die Streiks, ohne den Imageverlust auf dem noch immer wichtigsten Markt, daheim. Viel spricht dafür, dass die Allianz die politische Dimension betriebswirtschaftlicher Entscheidungen und das Empörungspotenzial eines mit Rekordgewinnen kombinierten Jobabbaus unterschätzt hat. Hinzu kam, dass die komplette Schließung von Köln zum Symbol zu werden drohte: Profit statt Verantwortung. Plötzlich hatte der Konzern nicht nur mit den Mitarbeitern ein Problem, sondern mit der Öffentlichkeit. Und wäre nicht Klaus Kleinfelds Kladderadatsch, stünde wahrscheinlich Michael Diekmann noch heute am Pranger. So geriet fast der gesamte Umbauplan in Misskredit.

Der zuletzt relativ reibungslos errungene Burgfrieden unter dem blauen Adler hat etwas Tröstliches: Gewerkschaften und Unternehmen können noch aufeinander zugehen. So haben die Mitarbeiter anerkannt, dass in Michael Diekmanns Modell fürs deutsche Geschäft viel Zukunftsträchtiges steckt. Die Geschäftsleitung aber hat realisiert, dass auch der innere Frieden etwas wert ist. Sie darf sich dafür ans Revers heften, dass die Aufregung der vergangenen Monate zumindest in einer Hinsicht wertvoll war: Die Erkenntnis, dass die alte Allianz chancenlos ist, haben alle begriffen

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Quelle: Pablo Castagnola
Christoph Hardt
Handelsblatt / Ressortleiter
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