Analyse
Bankenkonsolidierung: Es muss wehtun

Alle in der Bankenbranche predigen seit Jahren, dass eine Konsolidierung unumgänglich sei. Aber wenn es Ernst wird, wollen alle schmerzhafte Schritte vermeiden. Die Branche läuft Gefahr, sich selbst zum Gespött zu machen. Eine Analyse.
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Das Wort Konsolidierung wird häufig verwendet, wenn es um Banken geht. Was es bedeutet, kümmert aber kaum jemanden. Der Duden spricht von der Sicherung des Bestandes. Doch dafür ist einiges an Veränderungen nötig - in erster Linie der Abbau von Überkapazitäten und ineffizienten Strukturen. Denn nach wie vor gibt es in Deutschland zu viele Banken und Filialen. Wenn selbst in kleineren Orten vier Institute im Abstand von 50 Metern vertreten sind, spricht das Bände. Nicht zufällig sind heimische Banken unrentabler als etwa britische. Will man also in Deutschland eine starke, international wettbewerbsfähige Finanzbranche, wird man um nationale Zusammenschlüsse kaum herumkommen.

Doch bereits hier ist es mit der Einigkeit vorbei. Da sind an erster Stelle die Gewerkschaften. Noch bevor sich überhaupt eine konkrete Konstellation abzeichnet, haben sie sich positioniert. Inländische Zusammenschlüsse sind in ihren Augen Teufelswerk. Kein Wunder: Glaubt man Bankern, dürften bei einer Fusion zehn bis 25 Prozent der Arbeitsplätze wegfallen - im Extremfall also einige Zehntausend Stellen. Ergo setzen Verdi und Co. auf Zusammenschlüsse mit ausländischen Mitbewerbern. Die Hoffnung: Diese verzichten auf Personalabbau.

Ein Irrglaube, wie das Beispiel der von Unicredit übernommenen Münchener HVB belegt. Hier wurde die Bank zerlegt. Abwicklungsprozesse wurden nach Osteuropa verlagert oder ausgegliedert, Leitungsfunktionen nach Mailand verschoben. Auch die Belegschaft wurde reduziert - wenn vielleicht auch nicht in gleichem Maße wie bei einer inländischen Fusion.

Tatsache ist: Es geht gar nicht ohne Personalabbau. Und die Unterschiede zwischen inländischen und grenzüberschreitenden Fusionen werden Stück für Stück verschwinden. Denn Europa wächst zusammen, das gilt auch für seine Finanzmärkte. Wer die länderübergreifenden Synergiepotenziale nicht nutzt, wird abgestraft. Im schlimmsten Fall mit der eigenen Übernahme oder Zerschlagung - siehe ABN Amro. Deshalb wird die Gewerkschaft Verdi mit ihrer Forderung, betriebsbedingte Kündigungen auf Jahre auszuschließen, auf Granit beißen. Kein Management kann sich seine Handlungsoptionen in einer Phase tiefgreifender Umwälzungen so beschneiden lassen.

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