Analyse
Das Endspiel naht

Wie Quartalszahlen gehören sanft ablaufende Übernahmen mittlerweile zum Alltag. Ganz anders das ziemlich wilde Trio MAN-Scania-Volkswagen. Seit Wochen sind die drei für Überraschungen gut, wobei es eigentlich nur zwei sind, die dafür sorgen. Denn Scania unter der Führung des Schweden Leif Östling kennt nur eine Botschaft: nej tack.

DÜSSELDORF. Für MAN, den in Bewegung geratenen LKW-Konzern aus München, hat es lange Zeit gar nicht gut ausgesehen. Denn wenn es in Übernahmekämpfen eine entscheidende Frage gibt, dann die, wer das Tempo macht. Vor diesem Hintergrund sah Håkan Samuelsson, der Chef von MAN, nicht wie der sichere Sieger aus. Zur Erinnerung: Von gezielt gestreuten Gerüchten gezwungen, musste MAN vorzeitig mit seinem Angebot an die Öffentlichkeit; dann verweigerten sich die Großaktionäre Investor und VW. Seither war Samuelsson Gefangener seiner eigenen Vorwärtsstrategie und de facto gelähmt.

Dieses Bild schien sich Anfang der Woche noch zu verfestigen: Da sprach VW-Chef Pischetsrieder per Telefon zu Investoren, nachdem sich sein Konzern mit 15 Prozent an MAN beteiligt hatte. Pischetsrieder trat als Pate einer großen, weltweit aktiven LKW-Allianz auf, er war es, der den Kontrahenten in München und Södertälje ein Ultimatum setzte.

Eine deftige Pointe: Denn jahrelang wusste VW als Großaktionär nicht so recht, was man mit dem großen Anteil an Scania, dieser Perle des Brummi-Geschäfts, anfangen sollte. Dank des MAN-Chefs Samuelsson, der mit seinem Angebot jahrelang bestehende Blockaden aufbrach, dann aber zum Zuschauen verurteilt war, erhielt Volkswagen plötzlich eine Schlüsselposition.

Vieles spricht heute dafür, dass auch dies nur eine Momentaufnahme gewesen ist, dass Pischetsrieder spätestens seit der Aufsichtsratssitzung von Scania am vergangenen Sonntag gespürt hat: Der Versuch, sich gütlich auf die von allen Seiten im Prinzip befürwortete Allianz zu einigen, ist zum Scheitern verurteilt. Dem Vernehmen nach haben die Schweden ihren größten Aktionär und obersten Aufseher ziemlich unsanft behandelt. Das Ultimatum des VW-Chefs und seine Drohung, notfalls auch eine feindliche Übernahme möglich zu machen, wirken von heute aus betrachtet so, als seien sie gegen Scania gerichtet.

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