Analyse
Das zweite Gesicht der Deutschen Bank

Nein, diese beiden Welten unter dem Dach der Deutschen Bank passen nicht zusammen. Da ist einmal die Welt der großen Verantwortung, in der Deutschlands größtes Geldhaus quasi als abgesandter Diplomat in der Figur von Vorstandschef Josef Ackermann auf der internationalen Bühne und im Kanzleramt agiert. Und da gibt es die dunkle Welt des Verborgenen.

Nein, diese beiden Welten unter dem Dach der Deutschen Bank passen nicht zusammen. Da ist einmal die Welt der großen Verantwortung, in der Deutschlands größtes Geldhaus quasi als abgesandter Diplomat in der Figur von Vorstandschef Josef Ackermann auf der internationalen Bühne und im Kanzleramt agiert. Da geht es um die großen Zukunftsfragen. Wie kann man den nächsten Crash verhindern? Wie hoch dürfen erfolgsabhängige Boni sein? Was sind die moralischen und ethischen Konsequenzen aus dem Lehman-Debakel?

Die zweite Welt der Deutschen Bank spielt sich seit dem Sommer 2006 im Dunkeln ab, und sie ist eine Mischung aus Datenaffäre und detektivischem Vorabendprogramm. Darin fühlt sich Deutschlands mächtigste Bank von einem einzelnen, querulierenden Aktionär in der Person von Michael Bohndorf derart bedrängt, dass sie ihn mit zweifelhaften Mitteln in der Heimat und auf Ibiza ausspionieren lässt. Wurde eine "gut aussehende Brasilianerin" zur Kontaktaufnahme eingesetzt, oder ist das "absurd"? Wurde "viel Rotwein" bei den Ermittlungen konsumiert? Das sind die Fragen, die im Keller der Deutschen Bank die Experten beschäftigten. Sie witterten ein Netz von Gegnern und stießen am Ende auf einen wenig schillernden Einzelgänger.

Damit das Image der Bank nicht nachhaltig Schaden nimmt, muss das Institut jetzt Konsequenzen aus der Schmuddelaffäre ziehen. Ansonsten werden immer neue Details an die Öffentlichkeit kommen und das Publikum verwundert zurücklassen. Die Prozesse gegen den früheren Sicherheitschef und den Ex-Leiter der Investor Relations dürften da nur der Auftakt sein.

Die Deutsche Bank hat die Affäre selbst unter lautem Getöse losgetreten, da reicht es nicht aus, Subalterne zu schassen. Mag sein, dass "die zweifelhaften Methoden nicht von Mitgliedern des Aufsichtsrats oder des Vorstands legitimiert worden sind", wie es offiziell heißt. Aber es ist auch nur schwer zu glauben, dass die Ermittlungen über Wochen laufen konnten, ohne dass die Top-Entscheider darüber informiert waren.

Der Schlüssel zur Aufklärung der Affäre liegt in den Händen von Aufsichtsratschef Clemens Börsig. Er hat die Ermittlungen offenbar am Vorstand vorbei angestoßen. Hat er die Sache nur mit einem indirekten Wink ins Rollen gebracht, oder erteilte er eine mehr oder weniger klare Anweisung? Diese Grauzone bedarf der Aufklärung, hier dürfen auch Details nicht unter den Tisch fallen. Börsig muss sein Schweigen brechen. Das ist jetzt seine Aufgabe, damit sich die beiden Welten der Deutschen Bank nicht weiter vermischen und kein hässliches Bild entsteht.

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