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Analyse: Der Kampf um den IT-Sandkasten

Überall auf der Welt beharken sich die Handy-Hersteller vor Gericht wegen ihrer Patentrechte. Hinter den zahlreichen Kleinkonflikten steckt nichts anderes als der Streit um die Vorherrschaft auf dem Mobilfunkmarkt.

Joachim Hofer ist Handelsblatt-Korrespondent in München. Quelle: Pablo Castagnola
Joachim Hofer ist Handelsblatt-Korrespondent in München. Quelle: Pablo Castagnola

In zahllosen Prozessen kämpfen die größten IT-Konzerne der Welt seit Monaten gegeneinander. Meistens geht es um Patente, die ein Hersteller dem anderen streitig macht. Mitunter wird aber auch um das Design gestritten. Ist eine Auseinandersetzung in einem Land abgeschlossen, dann beginnt die nächste in einem anderen Staat. Schon lange ist es kaum noch zu überblicken, wo sich die Firmen gerade vor Gericht gegenüberstehen und worüber sie sich streiten. Alleine der iPhone-Produzent Apple hat sich inzwischen in mehr als 30 Verfahren mit Samsung aus Korea verstrickt.

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In vielen der aktuellen Prozesse rangeln die Beteiligten um hochkomplexe Patentdetails. Der Kern all der Verfahren ist allerdings höchst einfach: Es geht um die Vorherrschaft auf dem gigantischen Mobilfunkmarkt. Obwohl es Handys nun schon fast zwei Jahrzehnte gibt, bietet das Geschäft noch immer enorme Wachstumschancen.

Die herkömmlichen Mobiltelefone werden derzeit abgelöst durch Smartphones. Das sind mobile Alleskönner, mit denen sich zwar noch telefonieren, vor allem aber auch im Internet surfen lässt. Gut für die Industrie: Die Geräte sind wesentlich teurer als die Apparate, die bis jetzt in den Jackentaschen stecken. Zudem werden die Tablet-PCs immer populärer. Die Mini-Computer mit berührungsempfindlichem Bildschirm bauen ebenfalls auf Mobilfunk-Wissen auf.

Weil sich die Technik noch Jahr für Jahr ändert, sind Patente ein naheliegendes Mittel, um die Konkurrenz auszubremsen. Mehrfach haben Gerichte überall auf der Welt in den vergangenen Monaten Einfuhr- oder Verkaufsverbote ausgesprochen, weil einzelne Anbieter Patentrechte verletzt haben. Für die betroffenen Firmen ist das eine Katastrophe, wechseln die Produktgenerationen doch jedes Jahr, mitunter sogar noch öfter. Wer da für zwei, drei Monate nicht in den Läden vertreten ist, der kann einpacken.

Samsung musste das jüngst in Deutschland erfahren, wo ein Düsseldorfer Gericht den Vertrieb eines Tablet-PCs der Koreaner untersagte. Apple hatte den Asiaten vorgeworfen, sie hätten einfach das Apple-Design abgekupfert.

Es ist daher kein Wunder, dass den IT-Konzernen Patente viele Milliarden wert sind. So hat der Internetriese Google jüngst Motorola übernommen. Die Kalifornier haben dafür 12,5 Milliarden Dollar auf den Tisch gelegt. Die einstige Ikone der amerikanischen IT-Branche hat zwar schon seit Jahren kein populäres Handy mehr auf den Markt gebracht, verfügt aber über 17.000 Patente.

Die braucht Google dringend, um sein Handy-Betriebssystem Android zu verteidigen. Denn hätte ein Konkurrent wie Apple oder Microsoft einmal Erfolg vor Gericht, könnten sie das ganze Mobilfunk-Geschäft des Konzerns ins Wanken bringen. Google gibt Android unentgeltlich an Handyhersteller wie Samsung oder HTC ab und verdient sein Geld mit Internet-Suche, Werbung und Software auf den Telefonen. Nun aber hat Google seine eigenen Patente und damit auch ein Druckmittel.

  • 01.01.2012, 05:29 UhrMartin

    Und wer am meisten und unfairsten streitet, wer die meisten Mitarbeiter entlässt oder diskriminiert, wer zuviel Werbung betreibt, besonders, wenn diese bescheuert sein sollte, wer am meisten in China oder einem anderen EU-Ausland unter dubiosen Bedingungen produziert, der verliert mich als Kunden zuerst.

    Wenn sich alle danach richteten, gäbe es weniger Probleme. Einfach überall ein bisschen mehr mitdenken, das ist die Devise! Und wenn eine renommierte Fachkraft (die Person, die ich meine, hat drei Berufe gelernt und sich wegen Arbeitslosigkeit nur für einen Lagerposten beworben!), die mir bekannt ist – sich bei einer Firma bewirbt, wie jemand vor kurzem bei der Möbelhauskette, die mit einem Stuhl wirbt –, den Job abgesagt bekommt und ich dann feststelle, dass eine ungelernte Person für den Posten vorgesehen gewesen ist, weil der Chef diese Person persönlich kennt, dann kommt diese Firma an keinen Cent meines Geldes mehr - so einfach ist das, wenn man etwas zum positiven verändern will.

    Einfach konsequent ausführen - ein guter Vorsatz fürs neue Jahr übrigens. Wichtig, wenn es alle täten. Aber meistens bin ich nur alleine so konsequent; auch, wenn ich selbst mal ins Gras beißen muss, um solchen Halunken keine Vorteile mehr zu verschaffen, so gebe ich zu, dass es sich schon um 13 Großkonzerne handelt, bei denen ich nichts mehr kaufe - und die Wiese wächst!

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