Analyse
Der wahre Test steht Italien noch bevor

Die Banken haben sich mit Milliarden der EZB vollgesogen. Der heutige Tag zeigt, was mit dem Geld passiert: Sie stecken es in Anleihen der Schuldenstaaten. Die Marge ist ordentlich. Doch der wahre Test steht noch bevor.
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DüsseldorfEine Banklizenz müsste man haben. Es wäre die Lizenz zum Geld drucken. Die Banken können sich – der Europäischen Zentralbank (EZB) sei Dank – fast zum Nulltarif Geld leihen. Insgesamt stellt die EZB fast eine halbe Billion Euro für die kommenden drei Jahre zur Verfügung. Dieses Geld parken die Institute entweder gleich wieder bei der EZB. Oder sie kaufen Papiere am Geldmarkt ein – für deutlich höhere Zinsen.


Kein Wunder, dass unter solchen Bedingungen selbst das hochverschuldete Italien seine Geldmarktpapiere los wird. Bei der heutigen Auktion italienischer Papiere mit Laufzeit von sechs Monaten war die Nachfrage riesengroß. Italien nahm über neun Milliarden Euro auf und musste dafür eine durchschnittliche Rendite von 3,25 Prozent bieten. Im November hatte die Verzinsung noch bei 6,5 Prozent gelegen. Die neue Regierung von Ministerpräsident Mario Monti wird das als Erfolg für sich verbuchen.


Aber in Wahrheit greifen die Investoren nicht deshalb zu, weil sie von den Sparbemühungen der Italiener überzeugt sind, sondern weil sie von der Zentralbank zum Jagen getragen werden. Es wäre fahrlässig, das Geld, mit dem man sich voll gesogen hat, nicht wieder zu investieren. Fast umsonst leihen, für 3,25 Prozent anlegen – keine schlechte Marge. Zumal die Papiere nur über sechs Monate laufen. Das Risiko, dass Italien im nächsten halben Jahr pleitegeht, erscheint noch überschaubar.

Auf Käuferseite dürften vor allem italienische Banken gestanden haben. Am Markt hieß es, ein großer Teil der Nachfrage sei aus dem Land selbst gekommen. Gut möglich, dass auch diejenigen mitgemacht haben, die sich kürzlich noch skeptisch waren. Der Chef von Unicredit, Federico Ghizzoni hatte öffentlich erklärt, er sehe keinen Sinn darin, Bonds zu kaufen. Wenn die Institute überhaupt noch überschüssige Liquidität hätten, dann werde das Geld in Darlehen für Unternehmen fließen, um die befürchtete Kreditklemme zu verhindern.


Die Geldpolitik der EZB ist äußerst umstritten. Kritiker werfen den Währungshütern um EZB-Chef Mario Draghi vor, die längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte zielten nicht auf den Bankensektor ab, sondern dienten der Staatsfinanzierung durch die Hintertür. Nach der heutigen Auktion dürfte sich mancher bestätigt fühlen. Im Grunde schlägt die EZB zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie stützt die Banken und sorgt gleichzeitig dafür, dass die Schuldenstaaten billiger an Geld kommen. Die Märkte hat sie damit kurzfristig beruhigt. Am Sekundärmarkt gingen die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen am Mittwoch zunächst auf 6,8 Prozent zurück, doch schon am Nachmittag waren es wieder fast sieben Prozent.

Zeitbomben: Fällige Staatsanleihen

Quelle: Information Research


Niemand sollte sich darauf verlassen, dass sich die europäische Schuldenkrise so einfach lösen lässt. Der wahre Test steht Italien und der Eurozone erst noch bevor. Schon morgen wird es spannend. Italien wagt sich mit länger laufenden Papieren an den Markt. Bei der Emission von drei- und zehnjährigen Staatsanleihen sollen 8,5 Milliarden Euro hereinkommen. Besonders die Auktion zehnjähriger Anleihen wird zur Nagelprobe. Sie wird die Richtung für die kommenden Monate vorgeben. Italien muss im nächsten Jahr laut "Corriere della Sera" fast 450 Milliarden Euro refinanzieren – die Hälfte davon in den ersten vier Monaten des Jahres. Ob die Investoren dem Land längerfristig Vertrauen schenken, also über die dreijährige Laufzeit des EZB-Tenders hinaus, ist fraglich.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter

Kommentare zu " Analyse: Der wahre Test steht Italien noch bevor"

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  • Woher nimmt die EZB die halbe Billion Euro, die sie verleiht? Von der Bundesbank - also vom deutschen Staatsvermögen - geliehen? Oder frisch gedruckt wie Falschgeld?

  • Das ist nur noch krank. Die Marge ist ordentlich sagt uns der Artikel, was irreführend ist denn die rechnerische Marge ist der Anteil noch höherer virtueller Wertlosigkeit von Scheinvermögen, solange kein Wirtschaftswachstum, keine realen Werte dahinterstecken. Das müsste mittlerweile jeder verstehen!

  • Haben Sie eine Banklizenz, oder arbeiten Sie noch? - Europas Finanzpolitiker ruinieren die Realwirtschaft.

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