Analyse
Ich google mir ’ne Prognose

Google sitzt auf einem gewaltigen Berg an Informationen, die für die Wirtschafts- und Sozialstatistik von unschätzbarem Wert sein könnten. Jetzt zeichnet sich eine erste Kooperation zwischen der Wissenschaft und dem Suchmaschinen-Giganten ab. Gut für die Forscher – und für Google.
  • 0

Manche Schätze sind frei zugänglich und werden trotzdem nicht gehoben. So geht es mit den Datenminen, die Google gehören. Seit ungefähr einem Jahr sind die Abfragen, die der Internetgigant hortet, in aufbereiteter Form teilweise zugänglich (http://google.com/trends und http://www.google.com/insights/search/#). Doch das große Interesse ist bislang ausgeblieben, sehr zum Erstaunen des Google-Chefökonomen Hal Varian.

Ende vergangener Woche stellte er beim DIW und bei der American Academy in Berlin vor, was sich Schönes damit anstellen lässt – beispielsweise die Absatzzahlen von Luxusautos der Marke Lexus prognostizieren oder die Entwicklung des Immobilienmarktes.

Als erstes deutsches Wirtschaftsforschungsinstitut hat das DIW eine Kooperation mit Google begonnen. Das Ziel ist, schneller als die amtliche Arbeitsmarkt-Statistik zu sein. DIW-Chef Klaus F. Zimmermann ist zuversichtlich, dass es gelingen werde, einen Monat vor Veröffentlichung der Bundesagentur-Zahlen ein verlässliches Bild des Arbeitsmarkts zu zeichnen. Dazu soll ein statistisches Modell dienen, in das unter anderem Schlüsselwörter aus Google-Abfragen eingehen, wie „Arbeitsamt, Arbeitsplatzsuche, Kurzarbeit“. Die Häufigkeit der Abfragen lasse Rückschlüsse auf die Zu- oder Abnahme der Arbeitslosigkeit zu, schreiben Nikos Askitas und Zimmermann. Sogar Wendepunkte, an denen der Trend umschlägt, ließen sich ermitteln. Darauf sind Konjunkturforscher besonders erpicht, denn bislang scheitern sie meist daran.

Die vom DIW vorgestellten Ergebnisse lassen allerdings daran zweifeln, dass die Ökonomen tatsächlich schon so weit sind. Bei der Ex-post-Betrachtung, also dem Rückblick, gelingt tatsächlich ein früherer Hinweis auf das Umschlagen als in der amtlichen Statistik. Das Prognosemodell allerdings eilt nicht voraus, führt teilweise sogar grob in die Irre.

Seite 1:

Ich google mir ’ne Prognose

Seite 2:

Kommentare zu " Analyse: Ich google mir ’ne Prognose"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%