Analyse: Lanxess und Degussa
Versuche im Reagenzglas

Ziel und Zweck aller wirtschaftlichen Betätigung ist es, den Menschen Waren und Dienstleistungen für ihre täglichen Bedürfnisse zur Verfügung zu stellen. Wenn allerdings Politiker in diesem wirtschaftlichen Wechselspiel von Angebot und Nachfrage eingreifen, dann wird’s – formulieren wir es vorsichtig – kritisch. So wie bei Lanxess, Degussa und den Fusionsgerüchten.

Die Waren und Dienstleistungen sollen so beschaffen sein, dass die Menschen bereit sind, dafür Geld zu bezahlen. Dieses Geld wiederum haben sie ihrerseits für die Herstellung und Bereitstellung von Waren und Dienstleistungen erhalten, die andere gerne hätten. Eigentlich sollte man das nicht mehr erklären müssen. Selbst wenn Unternehmenslenker andere Unternehmern übernehmen, verfolgen sie dieses übergeordnete Ziel. Zumindest würden die Manager nie etwas andere behaupten.

Doch wehe, wenn sich Poliker einmischen. Sozialsysteme beispielsweise sind nicht so konstruiert, dass sich Angebot und Nachfrage von alleine (über den Preis) regeln. Bei der Renten- und Krankenversicherung wird ebenso kräftig umverteilt wie im Gesundheitswesen – warum sie dann auch so große Probleme bereiten.

Ein ganz anders gearteter Fall von Umverteilung entsteht derzeit in Nordrhein-Westfalen. Da gib es den Essener Industriekonzern RAG mit seinen Abteilungen Energie, Bergbau, Immobilien und Chemie. Das Unternehmen erzielt mit über 100 000 Mitarbeitern rund 22 Mrd. Euro Umsatz und zählt damit zu den Schwergewichten der Ruhrgebietswirtschaft.

Um einerseits Altlasten aus dem Steinkohlebergbau abzusichern, andererseits einen eigenen Börsengang im kommenden Jahr zu bewerkstelligen, hat sich die RAG das Düsseldorfer Chemie-Konglomerat Degussa einverleibt. Degussa, selbst entstanden aus dem Zusammenschluss zahlreicher Chemiefirmen, war auf gutem Weg, im Spiel von marktwirtschaftlichem Angebot und Nachfrage eine solide Rolle zu spielen.

So wie es übrigens derzeit auch die Leverkusener Lanxess tut, eine Abspaltung der einst weniger erfolgreichen Chemieaktivitäten des Bayer-Konzerns. Das NRW-Unternehmen Bayer versteht sich inzwischen, wie die jüngste Übernahme des Berliner Pharmakonzerns Schering belegt, lieber als Pharmaunternehmen.

Somit bleiben die beiden reinen Chemiehersteller Degussa und Lanxess, die als größere Konzerne ihren Stammsitz in Nordrhein-Westfalen haben. Da ist es völlig normal, wenn sich die Manager der Branche mit den Politikern der Landesregierung treffen, um über die Zukunft der Chemie in dieser Region zu sprechen.

So begab es sich, dass Lanxess-Chef Axel C. Heitmann eine Dienstreise von Leverkusen wenige Kilometer rheinab in die Landeshauptstadt Düsseldorf unternahm, um dort mit der NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) zu diskutieren. Die Volkswirtin Thoben wollte auch mal die Sicht des Chemikers Heitmann zu den Stärken und Schwächen des Chemiestandortes Nordrhein-Westfalen im allgemeinen und ansässiger Unternehmen im besonderen kennen lernen.

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