Analyse
Lindner rettet FDP, aber nicht Rösler

Die FDP setzt in Düsseldorf ihren Siegszug fort. Bundesparteichef Rösler sollte sich aber nicht in Sicherheit wiegen. Solange er im Bund nicht punktet, bleibt er ein Vorsitzender auf Abruf.
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Für die FDP läuft derzeit alles glatt. Erst der fulminante Erfolg in Schleswig-Holstein und jetzt der nächste Coup in Nordrhein-Westfalen. Dabei ging es eigentlich nur darum, die Partei über die 5-Prozent-Hürde zu hieven. Irgendwie. Wie das bewerkstelligt wird, war da schon ziemlich egal. Hauptsache in den Parlamenten bleiben und nicht die Existenzkrise der FDP noch weiter verschärfen. Doch was die Wahlkämpfer in Kiel und Düsseldorf, Wolfgang Kubicki und Christian Lindner, abgeliefert haben, kann allenfalls als ein Etappensieg hin zu einer Wiedergesundung der Bundespartei gesehen werden. Denn im Bund hängen die Liberalen nach wie vor unter fünf Prozent fest.

Philipp Rösler wird das zunächst wenig scheren. Er wird Lindners Wahlsieg als Erfolg für die gesamte FDP deuten und womöglich sogar von einer Trendwende sprechen. Für die Länder mag das stimmen. Aber für den Bund? Vor über einem Jahr war die FDP zuletzt in einen Landtag eingezogen - in Baden-Württemberg. Danach scheiterte sie in sechs Wahlen nacheinander an der Fünf-Prozent-Hürde. In Kiel stoppte Kubicki die Niederlagenserie und Lindner tat es ihm gleich.

Die Rückkehr der FDP in den Ländern hat wenig mit Rösler zu tun, sie ist vielmehr der Power-Performance von Kubicki und Lindner zu verdanken. Das zeigt, dass die FDP mit charismatischen Köpfen und neuen Inhalten durchaus noch zu retten ist. Diese Strahlkraft besitzt der 39-jährige Rösler allerdings in den Augen vieler Parteifreunde und Wähler nicht. In einer vor kurzem für die ARD erhobenen Beliebtheitsumfrage wurde Rösler mehr als abgestraft. Mit seiner Arbeit sind demnach nur noch 16 Prozent der Befragten zufrieden. Das ist der schlechteste Wert, der je für Rösler im sogenannten Deutschlandtrend gemessen wurde.

Röslers desaströse Werte passen nicht so recht in das Bild einer Partei, die gerade dabei ist sich zu berappeln. Ob er im Sog der Wahlerfolge in Kiel und Düsseldorf doch noch die Kurve kriegt? Auf diese Wette will sich derzeit niemand einlassen, zumal keine Strategie erkennbar ist, wie Rösler sich und die Bundespartei in einem besseren Licht darstellen könnte. Seit Wochen wirkt er schon ziemlich verbraucht.

Sein Versuch, sich als sympathischer Anti-Politiker zu profilieren, dem Familie wichtiger ist als Partei und Ämter, kann als gescheitert betrachtet werden. Dabei war der Niedersachse vor einem Jahr extra vom Gesundheits- ins Wirtschaftsministerium gewechselt. Rösler wollte von der guten Lage der deutschen Wirtschaft und dem Arbeitsmarkt-Boom profitieren, statt den Bürgern höhere Pillenpreise und steigende Krankenkassenbeiträge zu verordnen.

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  • Der Bundeswirtschaftsminister macht zwar keinen guten Job, aber wenn ich ihn sehe, bekomme ich Hunger auf gebratene Nudeln mit Reis und Gemüse und denke an tropische Gefilde. Das ist auch ganz nett. Dennoch wird sein exotisches Äußeres von vielen älteren Bürgerinnen und Bürgern nicht angenommen, denn so offen und multikulturell, wie die Deutschen vorgeben zu sein, ist die Bevölkerung auf den zweiten Blick gar nicht. Die meisten Menschen haben Annäherungsschwierigkeiten von äußerlichen Fremden und dafür kann Herr Rösler nichts. Herr Lindner hat es da wesentlich einfacher, denn bei seinem Anblick fühlt sich auch die ältere Wählerschaft heimisch. Das sollte mal gesagt werden, statt immer nur so zu tun, als komme es auf Inhalte an. Apropos Inhalte: In dieser Frage hat keine Partei eine Stimme verdient.

  • Es ist doch nicht nur Rösler, der Schuld am Niedergang der FDP haben soll. Die gesamte Mannschaft war doch in letzter Zeit nur mit sich beschäftigt und hat eine negative Schlagzeile nach der anderen geliefert: Postengeschachere zum Eigennutz zu Lasten des Steuerzahlers. Geliefert wurde nichts. Der Höhenflug mit Lindner wird alsbald enden. Hat denn Lindner seine, in den Sand gesetzten Million(en) selbst gezahlt oder mussten dafür Mitglieder herhalten?

  • Auch wenn es hart für Rösler klingt: Er hat einfach kein Charisma. Oder wie es Gustav le Bon in seinem Buch "Psychologie der Massen" beschrieben hat, keinen Nimbus. Und da es hier um die Partei geht, sprich um die Sache, würde ich es als FDP-Stammwähler begrüssen, wenn er die Zeichen der Zeit erkennen und vom Parteivorsitz zurücktreten würde.

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