Analyse
Schwarzbrot war gestern

Der Telekom-Aufsichtsrat beschäftigt sich am Freitag und Samstag mit der neuen Strategie. Hartnäckig halten sich seit Wochen Spekulationen, Vorstandschef Ricke und Festnetzvorstand Raizner müssten ihre Posten räumen. Tatsächlich ist äußerst fraglich, ob insbesondere Ricke angesichts der neuen Herausforderungen noch der richtige Mann an der Telekom-Spitze ist.

DÜSSELDORF. Manchmal erzählen Kurs-Charts spannende Geschichten. Die von der Deutschen Telekom geht so: Mit dem Amtsantritt des Vorstandschefs Kai-Uwe Ricke am 15. November 2002 beendet die T-Aktie eine traumatische 90-Prozent-Talfahrt und schwenkt in einen zögerlichen Aufwärtstrend ein.

Dabei entwickelt sich das Papier parallel zum Dax: mal ein bisschen besser, mal ein bisschen schlechter. Aber zu keinem Zeitpunkt vermag sich die eine Linie von der anderen nachhaltig zu lösen.Das ändert sich radikal Anfang 2005. Zu diesem Zeitpunkt setzt der deutsche Leitindex zu einer kraftvollen Aufwärtsbewegung an, während die Aktie der Deutschen Telekom schrittweise um rund 40 Prozent abbröckelt: Ein Unternehmen, ein Management, zwei Phasen. Heute, im September 2006, notiert die T-Aktie etwa zwei Prozent schwächer als zum Start der Ära Ricke. Das Schaffen von Werten sieht anders aus.

Exakt diesen Chart, der in gewisser Weise ein Leistungsnachweis des Managements ist, dürften die Aufsichtsräte des Konzerns vor ihrem geistigen Auge haben, wenn sie sich am Freitag zu Beratungen zurückziehen. Die Themen Standortbestimmung und Strategie stehen auf der Tagesordnung. Nach schockierend schwachen Halbjahreszahlen sowie einer reduzierten Gewinnprognose muss Ricke seine Kontrolleure nun davon überzeugen, dass er noch immer der richtige Mann an der Spitze von Europas größtem Telekommunikationskonzern ist. Ist er es?

Niemand bestreitet, dass Ricke in der ersten Phase – von 2003 bis 2005 – der richtige Mann an der richtigen Stelle war. Der Konzern musste nach der turbulenten Ära des Sonnenkönigs Ron Sommer in ein ruhigeres Fahrwasser gelotst werden. Schuldenabbau und Konsolidierung standen auf der Tagesordnung – Schwarzbrot statt Glamour.

Das ist Ricke und seinem Finanzvorstand Kerl-Gerhard Eick hervorragend gelungen. Die Finanzverbindlichkeiten, die Ende 2002 noch bei 65 Milliarden Euro lagen, konnten bis heute auf 39 Milliarden Euro gesenkt werden. Eine Begradigung des Portfolios und der Abbau Zehntausender Arbeitsplätze gehörten ebenso zum Programm wie massive Abschreibungen auf viel zu teuer erworbene Firmen.

Seite 1:

Schwarzbrot war gestern

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%