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Analyse: Spiegelfechterei bei Daimler-Chrysler

Die Fassade steht. Auffällig häufig spricht Daimler- Chrysler-Chef Jürgen Schrempp in letzter Zeit davon, dass bei der krisengeschüttelten Beteiligung Mitsubishi Motors alle Optionen geprüft würden. Erst wenn der mittelfristige Geschäftsplan für die Not leidenden Japaner, an dem ein Team um Smart-Chef Andreas Renschler arbeitet, Ende April vorliege, werde eine Entscheidung über die Zukunft der Partnerschaft getroffen, versprach der Vorstandsvorsitzende auf der Hauptversammlung den Aktionären. Doch der Schein trügt.

In Wahrheit sind hinter den Kulissen längst die entscheidenden Weichen gestellt: Einen Bruch mit Mitsubishi wird es in Stuttgart nicht geben. Stattdessen wird Daimler frisches Geld nach Japan pumpen und mittelfristig seine 37-Prozent-Beteiligung auf eine Mehrheit aufstocken. Alle anderen Beteuerungen sind Spiegelfechtereien. Ein Ende mit Schrecken wird es nicht geben. Stattdessen geht Daimler nun bei Mitsubishi in die Vollen.

Schrempp steckt allerdings in der Klemme. Offiziell wird der Daimler-Aufsichtsrat erst auf seiner Sitzung am 29. April über die Zukunft von Mitsubishi befinden – einen Tag vor der entscheidenden außerordentlichen Hauptversammlung des viertgrößten japanischen Autobauers. Das Kontrollgremium hatte sich jedoch bei seinem letzten Treffen ausdrücklich neben einem Sanierungsplan auch ein Ausstiegsszenario ausbedungen. Der Vorstandschef darf deshalb sein Kontrollgremium nicht durch eine vorzeitige Richtungsentscheidung düpieren. Doch intern gilt ein Ausstieg als ausgeschlossen. Der Preis für Schrempp wäre zu hoch: Ein Bruch in Japan wäre das Eingeständnis, dass Schrempps Vision von der Welt-AG mit ihren Pfeilern in Asien, Nordamerika und Europa gescheitert ist. Der 59-Jährige, als Architekt dieses Konstrukts, wäre dann nur noch schwer zu halten. Der Daimler-Boss ist zum Weitermachen verdammt, will er nicht sein ganzes Lebenswerk in Frage stellen.

Bis Ende April muss deshalb noch ein Eiertanz aufgeführt werden. Offiziell – und auch weil es die Verhandlungsposition mit den übrigen Großaktionären schwächen würde – hält der erfahrene Schachspieler Schrempp an der Ausstiegsoption fest. Doch zugleich muss er Anleger, Analysten und Ratingagenturen behutsam auf eine Verlängerung des Mitsubishi-Engagements einstimmen. Wer es hören wollte, vernahm von Schrempp deshalb in Berlin auch andere Töne: „Bei einem operativen Problem ändern wir nicht die Strategie, sondern bringen das Problem in Ordnung“, hieß es da. Nach Ausstieg klingt das jedenfalls nicht.

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