Krankenhaus

Bei der Dichte der Krankenhausversorgung bezogen auf die Einwohnerzahl liegt die Bundesrepublik im internationalen Vergleich im Spitzenfeld.

(Foto: dpa)

Analyse zum Gesundheitssystem Deutschland gibt täglich eine Milliarde Euro für Gesundheit aus

Pro Tag gibt Deutschland inzwischen über eine Milliarde Euro für Gesundheit aus. Allein: Die Gegenleistung stimmt nicht.
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BerlinAuf den ersten Blick mag das wie eine gute Nachricht klingen: Die Gesundheitsausgaben in Deutschland haben im vergangenen Jahr wohl erstmals die Marke von einer Milliarde Euro pro Tag überschritten. Das reiche Deutschland lässt sich die Gesundheit also etwas kosten. Die Wahrheit ist: Den Ausgaben steht schon lange kein angemessener Nutzen mehr gegenüber.

Am Donnerstag meldete das Statistische Bundesamt, dass es im Gesundheitssystem für das vergangene Jahr Ausgaben von insgesamt 374,2 Milliarden Euro veranschlagt. Nahezu zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) dürften damit im vergangenen Jahr für die Gesundheit der Bürger ausgegeben worden sein. Davon zahlen mit über 210 Milliarden Euro die gesetzlichen Krankenkassen das meiste. Ein neuer Rekord. 2016 lagen die Gesamtausgaben noch bei 356,5 Milliarden Euro oder 11,3 Prozent des BIP.

Die Zahlen belegen, dass die Kosten des Gesundheitssystems erneut schneller gewachsen sind als die Wirtschaft, das 17. Jahr in Folge – trotz des aktuellen Konjunkturbooms.

Über Jahrzehnte lagen die Ausgaben des Gesundheitssystems etwa bei zehn Prozent des BIP. Seit 2010 ist ihr Anteil am BIP stetig gestiegen. Das zeigt: Deutschland ist in der Gefahr, in diesem Punkt über seine Verhältnisse zu leben. Daran ändert auch nichts, dass der Ausgabenschub im vergangenen Jahr vor allem eine Folge des Dritten Pflegestärkungsgesetzes ist, das im vergangenen Jahr in Kraft trat und deutliche Leistungsverbesserungen für Pflegebedürftige gebracht hat.

So gerechtfertigt diese Verbesserungen im Einzelnen sein mögen. Insgesamt gibt es eine Reihe von Indizien dafür, dass im deutschen Gesundheitssystem viel Geld verbrannt wird.

Erhellend ist hier der Vergleich mit anderen OECD-Ländern. Nur in der Schweiz mit Ausgaben von deutlich mehr als zwölf Prozent des BIP und den USA mit mehr als 17 Prozent wird in der Relation zur Wirtschaftsleistung noch mehr Geld für Gesundheit ausgegeben. Seit 2010 wachsen hierzulande die Gesundheitsausgaben zudem schneller als im Durchschnitt aller OECD-Länder. Das wäre hinnehmbar, würden die Deutschen zu den gesundesten Menschen auf der Welt gehören. Aber davon kann keine Rede sein.

Bei der Lebenserwartung liegt Deutschland im OECD-Vergleich nur in der Nähe des Durchschnitts, mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung eines Neugeborenen von 80,7 Jahren. Obwohl Deutschland mehr niedergelassene Ärzte hat als alle anderen OECD-Staaten in Relation zur Bevölkerung, ist die Chance, in Deutschland unnötig ins Krankenhaus eingewiesen zu werden, größer als im Durchschnitt der Industriestaaten-Gruppe der OECD.

Das hängt offensichtlich auch damit zusammen, dass es in Deutschland weit mehr Krankenhäuser gibt als nötig: Bei der Dichte der Krankenhausversorgung bezogen auf die Einwohnerzahl liegt die Bundesrepublik im internationalen Vergleich im Spitzenfeld. Trotzdem liegen die Überlebensraten bei Krebs hierzulande nur leicht über dem OECD Durchschnitt – hinter Finnland, Japan und Mexiko. Dabei geben Japan und Finnland nur etwas über neun Prozent des BIP für Gesundheit aus. In Mexiko sind es sogar weniger als sechs Prozent.

Spitze ist Deutschlands Gesundheitssystem vor allen Dingen beim Thema freie Arztwahl. Nirgendwo sind die Barrieren so niedrig, zu irgendeiner Gesundheitsversorgung zu kommen. Aber in keinem anderen Land werden laut dem jüngsten OECD-Bericht vom November vergangenen Jahres dabei so viele teure Ressourcen verschwendet. Nirgends stehen mehr Klinikbetten und mehr Arztpraxen in Relation zur Bevölkerung. Und die OECD sieht Indizien dafür, dass daher auch in keinem Land mehr überflüssige Operationen und Eingriffe erfolgen.

„Wir fahren einen Golf und bezahlen einen Porsche“, sagte einmal Karl Lauterbach. Dieses jahrealte Bonmot des Gesundheitsökonomen und stellvertretenden Fraktionschefs der SPD im Bundestag gilt noch immer.

Genauso wie die Aussage des stellvertretenden Vorsitzenden des Sachverständigenrats, Eberhard Wille, Deutschland leiste sich ein Nebeneinander von Unter-, Über- und Fehlversorgung. Der derzeitige Chef des Rates, Ferdinand Gerlach, geht sogar noch einen Schritt weiter: Das deutsche System sei so konstruiert, dass die Akteure ein ökonomisches Interesse nur an kranken Patienten hätten. Heilen rechne sich eigentlich gar nicht.

Daran wirklich etwas ändern wird auch die neue Bundesregierung nicht, sollte sie zustande kommen. Denn sie hat sich vor allem vorgenommen, noch mehr Geld auszugeben – vor allem für mehr Pflegekräfte in Heimen und Krankenhäusern. Die gesetzlichen Krankenkassen schätzen, dass die Mehrkosten in die Milliarden Euro gehen könnten.

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3 Kommentare zu "Analyse zum Gesundheitssystem: Deutschland gibt täglich eine Milliarde Euro für Gesundheit aus"

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  • Wenn Deutschland für halb Syrien und Nordafrika die Krankenversicherung übernimmt, kein Wunder.
    Heute berufsbedingt auf einem Arbeitsamt in Hessen gewesen. Die Leute, die einem da über den Weg laufen - überwiegend Kulturbereicherer. Sind ja alle so wichtig für das bunte Deutschland.

    Und jetzt schnell diesen Kommentar löschen, weil er unbequeme Fakten enthält und die Internet Stasi auf den Plan ruft.

  • Welchen Anteil haben die über zwei Millionen Flüchtlinge an der Kostensteigerung?
    Wie setzen sich die Kosten (Prognose 2017: 374,2 Milliarden Euro) zusammen?
    - gesetzliche KV: 210 Milliarden Euro (entspricht einem Anteil von 56%)
    - private Abrechnungen: ?
    - steuerfinanzierter Anteil für versicherungsfremde Leistungen (Familienangehörige,Flüchtlinge, ..): ?

    Dass wir über unsere Verhältnisse leben, ist dem vernunftbegabten einsichtig. Doch wie schaut es in der Politik aus?

  • Immer mehr Gäste, immer höhere Kosten, was ist daran neu ?

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