Angela Merkel: Die müde Europäerin

Angela Merkel
Die müde Europäerin

Die Bundeskanzlerin kämpft in der Euro-Krise für deutsche Interessen – und erreicht das Gegenteil. Sie muss begreifen: Europa ist nicht das Problem, sondern die Lösung. Und sie muss aufhören, so zu tun, als könnten wir zum Nulltarif aus der Krise kommen.
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Empathie ist keine außenpolitische Kategorie. Vielleicht nicht einmal die Solidarität. Allein das Interesse prägt den politischen Kurs gegenüber anderen Staaten. So lehrt es die Geschichte. Und viele Wissenschaftler sind der Auffassung, dass es richtig so ist, da es die Außenpolitik rational und damit berechenbar macht.

Daran gemessen erscheint der europapolitische Kurs der Bundeskanzlerin auf den ersten Blick konsequent. Wie kaum ein Kanzler vor ihr setzt sich Angela Merkel als Anwältin deutscher Steuerzahler in Szene – zum Wohl Deutschlands, wie sie glaubt. Doch das Gegenteil ist richtig. Das Krisenmanagement der Bundesregierung in der Euro-Krise schadet genau dem, wofür es zu kämpfen vorgibt: dem politischen und ökonomischen Interesse des Landes. Der richtige Weg führt in die andere Richtung: Wir brauchen mehr Europa, nicht weniger. Europa ist nicht das Problem, es ist die Lösung.

Die über Jahrzehnte gereifte Überzeugung, deutsches und europäisches Interesse seien eins, hat an Kraft verloren – auch außerhalb unserer Grenzen. Großen Anteil daran hat die Berliner Diplomatie. Dabei führt uns gerade der gefährdete Euro in aller Deutlichkeit vor Augen, wie eng das Schicksal der EU-Länder miteinander verknüpft ist.

Merkel hat recht, wenn sie sagt, der Euro sei „die Grundlage unseres Wohlstands“. Unrecht hat sie, wenn sie glaubt, mit ihrer rigorosen Europa-Politik die Gemeinschaftswährung vor dem Scheitern zu bewahren. Zwar hat sich die Bundeskanzlerin bislang mit keinem ihrer zentralen Anliegen in der Euro-Krise durchsetzen können. Weder für die automatischen Sanktionen gegen Schuldenstaaten noch für die zwangsläufige Beteiligung privater Gläubiger an den Rettungskosten hat sie Rückhalt gefunden. Aber für Unsicherheit an den Märkten und Misstrauen der europäischen Partner hat sie trotzdem gesorgt.

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Kommentare zu " Angela Merkel: Die müde Europäerin"

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  • Der Euro ist ein Sklavenring.

  • ich finde die Antwort "Mehr Europa" auch besser als "Mehr nationales interesse"! Aber das bundesdeutsche Miteinander von bayern, b.-Württemberg, Hessen mit bremen, Saarland, Sch.-Holstein u. berlin kann und soll nicht das Vorbild sein sondern es zeigt im Gegenteil wie man die EU nicht machen sollte. Und den Marsch zum Föderalismus sollte man nicht mit der Vergemeinschaftung des Fiskus beginnen. Seit wann sind Finanzminister die Gestalter und Architekten von Staaten? Nein, Politiken -auch die die Geld kosten!- müssen europäisiert werden, und dabei sollte man auf die klassischen Felder zurückgreifen, in denen einigungswillige Staaten schon immer angefangen haben, nämlich z b Verteidigung, Grenzkontrolle, Außenpolitik, Verkehr und Kommunikation, mit den dazugehörigen infrastrukturen. Einiges davon hat die EU bereits, anderes wie Außen- und Verteidigungspolitik hat sie erst rudimentär. Nur Alimente zu verteilen (bzw dafür gerade zu stehen), solang man etwas zu verteilen hat ? Wie langweilig und integrations-politisch wie gefährlich - schon auf mittlere Frist !

  • Frau Merkel sollte die interessen Deutschlands vielmehr in den Vodergrund stellen als bisher. Eine Ausweitung des Rettungsfonds stärkt nur die unsägliche Transferunion. Auch die angesagte europäische Wirtschaftsregierung wird nur neue Kosten und keinen Nutzen bringen. Der letzte Paukenschlag der EU Kommission gegen deutsches Steuerrecht läßt grüßen. Das einzige was brüssel zu Wege bringt, sind immer neue weitgehend sinnlose Regulierungen. Einen solches Europa braucht niemand in Deutschland und Europa. Je länger es der Politik und ihren befürwortern gelingt, den EURO am Leben zu halten, umso teurer wird die Zeche am Ende werden! Der EURO ist eine Totgeburt, der entweder in der infation oder in der Deflation enden wird!

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