Annäherung zwischen Norden und Süden
Kommentar: Sonnenaufgang in Korea

Die Geschichte der koreanisch-koreanischen Annäherung steckt voller Tücken. Mal lieferten sich Marineinheiten Gefechte, mal verstrickten sich Grenzposten in Scharmützel. Die vom damaligen südkoreanischen Präsidenten Kim Dae Jung aufgelegte Politik des „Sonnenscheins“ hatte stets einen schweren Stand. Nicht zuletzt, weil das nordkoreanische Regime sich als extrem unsicherer Kantonist erwiesen hatte, der mehr auf nukleare Bedrohung als auf nationale Versöhnung setzte.

Doch seitdem der nordkoreanische Diktator Kim Jong Il zur Aufgabe seiner Atomrüstung bewegt werden konnte, sieht Seoul neue Chancen für eine Entspannung, auf der Halbinsel, die sich formell immer noch im Kriegszustand befindet. Noch in diesem Monat haben sich die Präsidenten zu einem Gipfel verabredet, dem zweiten überhaupt in der koreanischen Geschichte.

Gelingt es Präsident Roh Moo Hyun zu vollenden, was sein Vorgänger einst begonnen hatte, dann dürften die beiden Koreas dem Ziel, die Halbinsel zu einer von Atomwaffen freien Zone zu machen, einen Schritt näher kommen. Daran sollte die Regierung in Seoul unbeirrt festhalten. Die Friedenspolitik taugt nicht für Wortgefechte im südkoreanischen Wahlkampf.

Doch die Unsicherheit bleibt. Niemand kann vorhersagen, ob das Regime in Pjöngjang bei seinen Zusagen bleibt. Als zu wankelmütig haben sich die Nordkoreaner erwiesen, als dass man ihnen unbesehen vertrauen könnte. Zwar haben sie mit der Schließung des Atomreaktors in Yongbyon die Auflagen aus den Sechsergesprächen erfüllt. Aber ähnliche Abmachungen hatte der Diktator schon einmal gebrochen, als ihm das Wasser bis zum Hals stand. Doch nach Jahren der Finsternis zeigt sich nun wieder die Sonne über dem Land der Morgenstille.

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