Arafat
Tod eines Terroristen

De mortuis nil nisi bene? Nein, im Fall von Jassir Arafat verbietet sich das alte abendländische Ritual, über Tote nur Gutes zu reden. Nicht als Unabhängigkeitskämpfer oder gar als Staatsgründer geht der Palästinenserführer in die Geschichte ein.

Man kann ihn auf keinen Fall in eine Reihe stellen mit Männern wie dem Iren Eamon de Valera oder dem Südafrikaner Nelson Mandela. Beide begannen ihr Leben als bewaffnete Kämpfer für ihre Nation, aber verwandelten sich am Ende doch in Staatsmänner. Arafat stirbt als Terrorist: Bis zu seinem bitteren Ende hoffte der PLO-Chef darauf, Israel durch ein geschicktes Zusammenspiel mit fanatischen Selbstmordattentätern zu seinen Bedingungen an den Verhandlungstisch zu bomben. Seinen Palästinenserstaat wollte Arafat notfalls auf den Gräbern unschuldiger Kinder errichten. Ein historischer Kompromiss zwischen Israel und Arafat war deshalb unmöglich.

Sein Tod eröffnet zwar neue Chancen für den Friedensprozess, aber leider keine Gewissheiten. Die pessimistische Variante lautet: Vielleicht verwandelt sich der Gaza-Streifen nun endgültig in einen jener „failing states“, in denen nur noch die Gesetzlosigkeit regiert. Wenn man Optimist bleiben will (was im Nahen Osten schwer fällt), kann man auf fähigere Führer an der Spitze der PLO setzen, an deren Händen nicht so viel Blut klebt wie an jenen Arafats.

Nur wenn seine Nachfolger den Willen und die Kraft mitbringen, die terroristischen Mordaktionen gegen Israel ohne weitere Vorbedingungen einzustellen, lebt ihr Traum vom eigenen Palästinenserstaat weiter. Die Intifada hat die Palästinenser in eine Sackgasse geführt, wie mittlerweile sogar einige ihrer Führer deprimiert anerkennen.

Die Europäer sollten jetzt ihr Gewicht in die Waagschale werfen, um die Palästinenser zu einer Kehrtwende zu zwingen. Auf keinen Fall dürfen sie den Druck auf Israel erhöhen und falsche Hoffnungen in der PLO wecken. Der Zeitpunkt wird kommen, an dem Israel über seinen Schatten springen muss. Jetzt aber müssen sich zunächst die Palästinenser bewegen. Der Führungswechsel ist für lange Zeit vielleicht die letzte Chance für einen Frieden in der Region.

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