Arbeitslosenzahlen im Mai
Kommentar: Warnsignale vom Arbeitsmarkt

Der Aufschwung am Arbeitsmarkt hat seinen Höhepunkt offensichtlich überschritten. Die Bundesregierung wird bald wohl einige Fragen beantworten müssen.
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Der Aufschwung am Arbeitsmarkt hat seinen Höhepunkt offensichtlich überschritten. Die Grundtendenz ist zwar nach wie vor positiv. Dass die Arbeitslosigkeit in diesem Frühjahr nicht mehr so stark sinkt wie vor Jahresfrist, liegt zum großen Teil daran, dass sich in der zurückliegenden Winterflaute diesmal weniger Arbeitslosigkeit aufgebaut hat als in anderen Jahren.

Trotzdem: Die Zeiten völlig ungetrübter Euphorie neigen sich dem Ende zu. Ein strukturelles Problem besteht darin, dass sich die Missverhältnisse von Mangel und Überangebot in verschiedenen Segmenten des Arbeitsmarktswohl noch verstärken werden: Auf der einen Seite drohen Spielräume für Investitionen durch eine anhaltende Knappheit von Ingenieren und Fachkräften noch auf längere Zeit eingeengt zu werden. Auf der anderen Seite werden es Geringqualifizierte und Langzeitarbeitslose als erste zu spüren bekommen, wenn es am Arbeitsmarkt nicht mehr so gut läuft wie in der Vergangenheit.

Die Bundesregierung wird sich bald fragen müssen, ob sie denn genug dazu beigetragen hat, um diese strukturellen Problem zu lösen. Dass sie einen konjunkturellen Geldsegen teilweise genutzt hat, um den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung kräftig zu senken, ist zwar ehrenwert und sinnvoll – aber noch keine wirkliche Leistung. Dass die Schul- und Bildungspolitik inzwischen stärker in den Fokus rückt, ist ebenso wichtig – verspricht aber keine schnelle Wirkung. Damit könnte sich schon bald erweisen, dass die bisherigen strukturellen Reformen dem Arbeitsmarkt noch lange nicht ausreichend konjunkturfest gemacht haben.

Abgerechnet wird erst, wenn sich das wirtschaftliche Klima früher oder später dreht. Dann erst kommt zum Beispiel die Rechnung für die neuerdings wieder verlängerte Zahldauer des Arbeitslosengelds für Ältere. Und auch die Beschäftigungsrisiken von Mindestlöhnen werden sich mit neuer Deutlichkeit zeigen. Für den Arbeitsmarkt wäre es gewiss kein Schaden, wenn die große Koalition dergleichen wegen ihrer Zerstrittenheit nicht mehr umsetzen kann.

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