Arbeitszeit
Kommentar: Ab in die Verlängerung

Das war’s, können die deutschen Arbeitgeber sagen und sich auf die Schenkel schlagen: Einer nach dem anderen räumen sie in ihren großen Unternehmen erfolgreich mit der Vorstellung auf, Arbeitszeit ließe sich in Tarifverträgen auf die Stunde genau festschreiben.

Das war’s, können die deutschen Arbeitgeber sagen und sich auf die Schenkel schlagen: Einer nach dem anderen räumen sie in ihren großen Unternehmen erfolgreich mit der Vorstellung auf, Arbeitszeit ließe sich in Tarifverträgen auf die Stunde genau festschreiben. Zwischen 30 Stunden wie bei Opel und 40 Stunden wie bei Continental ist heute alles möglich. Die 35-Stunden-Woche ist Schnee von gestern.

Aus Angst um ihren Arbeitsplatz ziehen die Beschäftigten mit – und aus Angst, von ihren Mitgliedern nicht mehr ernst genommen zu werden, bleibt auch den Gewerkschaften gar nichts anderes übrig, als mitzumachen. Ansonsten droht ihnen die Gefahr, links liegen gelassen zu werden. Dies ist den Arbeitnehmervertretern spätestens seit dem zusammengebrochenen Streik für eine 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland schmerzlich bewusst geworden.

Die Arbeitszeit zu verkürzen, um sich an einen schleppenden Absatz anzupassen, senkt die Kosten und zeugt von Flexibilität, die sich auch manche Kleinbetriebe wünschen würden. Dennoch ist das für die Arbeitgeber kein reiner Grund zum Jubeln.

Ein Unternehmen, das die Arbeitszeit verkürzt, steckt in der Defensive. Es müsste entlassen, traut sich aber nicht. Für den Standort insgesamt kann die Verkürzung keine Lösung sein: Deutschland mit seinen sowieso schon knappen Arbeitszeiten würde im internationalen Wettbewerb zurückfallen.

Vor allem muss Flexibilität auch noch oben möglich sein: Längere Arbeitszeiten verschaffen den Unternehmen echte Kostenvorteile, wenn sie nicht mit vollem Lohnausgleich verbunden sind. Und sie sendet das richtige Signal nach außen: Es lohnt sich, in Deutschland zu investieren, weil die Deutschen bereit sind, stärker anzupacken.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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