Arconic-Chef: Woran Klaus Kleinfeld gescheitert ist

Arconic-Chef
Woran Klaus Kleinfeld gescheitert ist

Ein unüberlegter Brief lieferte dem Hedgefonds Elliott den Anlass, Klaus Kleinfeld zu stürzen. Der Deutsche muss nun hoffen, dass die Tinte schnell verblasst – ein Ende seiner Karriere wäre bedauerlich. Ein Kommentar.
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Klaus Kleinfeld ist nicht über einen unglücklichen Brief gestolpert – mag es noch so unklug, ja sogar unvernünftig gewesen sein, diesen zu schreiben. Kleinfeld ist als Chef von Arconic zurückgetreten, weil es ein anderer Mann so wollte: Paul Singer, Chef des Hedgefonds Elliott Management.

Singer ist der Meinung, der deutsche Top-Manager sei der falsche Mann für den amerikanischen Metallverarbeiter, der gerade erst aus der Aufspaltung des Aluminiumriesens Alcoa entstanden ist. In dem Moment, in dem der berüchtigte Hedgefonds-Manager zu dieser Ansicht gekommen ist, war das Schicksal von Kleinfeld so gut wie besiegelt.

Das Versagen des Deutschen besteht darin, dass er es Singer einfach gemacht hat, erstaunlich einfach für so einen langjährigen Vorstandschef. Der Brief, den er an Singer geschrieben hat, dokumentiert das auf frappierende Weise. Ist er ein Gesprächsangebot, ist er eine Drohung, sind die Worte eine Kampfansage? Das ist eine Sache des Standpunkts des Lesers. Aber Kleinfeld hat sich mit dem Brief angreifbar gemacht. Die zum Teil zynischen Formulierungen wirken wie die eines Beleidigten und nicht wie die eines großen CEOs.

Kleinfeld hat damit Singer indirekt in die Karten gespielt. Denn das Board, das lange geschlossen zu dem früheren Siemens-Chef stand, verlor das Vertrauen in seine Fähigkeiten, einen mit harten Bandagen geführten Kampf mit einem Investor im Sinne des Unternehmens zu Ende auszufechten.

Elliott fuhr die Strategie, solange mit Dreck zu werfen, bis er hängen bleibt. Diese Schlammschlacht, die persönlichen Anfeindungen konnte Kleinfeld nur schwer kontern. „Für das Wohl des Unternehmens“ ist er schließlich gegangen.

Das ist tragisch. Vor allem, weil Elliot dem Deutschen kaum unternehmerische Fehlentscheidungen vorhalten konnte. Wer zehn Jahre lang einen Top-US-Konzern führt und auch noch gut durch die Finanzkrise manövriert hat, kann so viele Fehler nicht gemacht haben. Ein womöglich überteuerter Unternehmenskauf? Halleluja. Die Übernahme von Firth Rixon war strategisch richtig. Und wenn arg teure Zukäufe allein zum Fallstrick werden, können sich viele Unternehmenslenker nach neuen Jobs umschauen.

Sicherlich, ob Kleinfeld den Hochtechnologie-Konzern Arconic zu dauerhaft erfolgreichem, profitablem Wachstum hätte führen können, war ungewiss. Arconic ist ein anderes Unternehmen als Alcoa. Aber seine Bilanz bei dem Aluminiumriesen spricht eher dafür als dagegen, dass Kleinfeld das hinbekommen hätte.

Es ist ähnlich wie bei den deutschen Energieriesen Eon und RWE, die sich aufgespalten haben. Die Chefs Johannes Teyssen und Peter Terium führen nun ganz andere Konzerne. Sind sie dafür die richtigen? Sie müssen es beweisen.

Kleinfeld bleibt die Chance dafür verwehrt. Und das ist schade, denn womöglich endet damit eine unvollendete Managerkarriere. Kleinfeld ist ein Typ von Unternehmensführer, der noch etwas bewegen kann. Man wünscht ihn sich eigentlich als Konzernlenker in Deutschland. Doch mit seinen 59 Jahren besteht einerseits die Gefahr, dass er vielfach durchs Alters-Raster fällt.

Was bleibt, sind dann Aufsichtsratsmandate. Andererseits klebt nun dieser Brief an ihm wie ein hässlicher Pickel an einer Schönheitskönigin. Kleinfeld muss hoffen, dass die Tinte schnell wieder verblasst.

Grischa Brower-Rabinowitsch
Grischa Brower-Rabinowitsch
Handelsblatt / Ressortleiter Unternehmen & Märkte

Kommentare zu " Arconic-Chef: Woran Klaus Kleinfeld gescheitert ist"

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  • PP: Deutschland stand auch mal für ordentliche Rechtschreibung....
    Was ist jetzt die größere Gefahr?

  • Die meisten wissen nicht wie schlecht deutsche Führungskräfte sind.
    Ordnung , Sauberkeit, Durchdachte Plannug.
    Dafür stand Deutschland mal.
    Jetzt versuchen BWLer mit Lean Production, 5S Sigsima, das ganze als neue Idee zu verkaufen, nur das sie keine Ahnung von der Praxis haben.
    Sie lösen die Probleme nicht. Sie verstecken sie mit Denglisch

    Und was ist wohl die Größere Gefahr?
    Die Führungskräfte die sich davon Blenden lassen,
    oder die Blender?
    Da müssten noch viel mehr gefeuert werden.
    Die Aktionäre müssten mal durchsetzen, das die nicht mehr CEO..
    an der Tür stehen haben sondern Verwalter fremden Geldes mit der Funktion .....
    damit die Positionen mal wieder Klar sind

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