Atomkraft
Schön langsam reparieren

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Noch sind es fast zwei Jahre bis zur nächsten Bundestagswahl, aber schon jetzt zeichnet sich ein Thema ab, das eine große Rolle im Wahlkampf spielen und dabei heftig umstritten sein wird: die Zukunft der deutschen Atomindustrie.

RWE und Vattenfall schaffen es durch die Pannen in den Kernkraftwerken Biblis und Brunsbüttel, die zwei Reaktoren in die nächste Legislaturperiode zu retten. Durch die langen Stillstände verfügen die beiden Konzerne noch über so viel der zugebilligten Reststrommengen, dass sie die Anlagen nicht – wie erwartet – schon vor der Wahl aufgeben müssen.

Ob die beiden Unternehmen die Reparaturarbeiten bewusst verschleppen, ist müßig zu diskutieren. Speziell im Fall Brunsbüttel stellt die Aufsichtsbehörde selbst immer neue Forderungen. Klar ist aber, dass die Unternehmen die Entwicklung dankbar aufnehmen. Es war immer erklärtes Ziel der Atomlobby, den Betrieb so lange zu strecken, bis sich die Stimmung dreht.

Zumindest will sie sich die Chance erhalten, dass sich bei der nächsten Wahl die Mehrheitsverhältnisse zu ihren Gunsten ändern. Letztlich ist es auch vernünftig, wenn in dieser Legislaturperiode kein weiterer Reaktor vom Netz geht. Zum einen haben sich die Koalitionspartner CDU und SPD, die jeweils andere Grundsatzpositionen vertreten, bewusst um diesen Punkt herumgedrückt. Zum anderen befinden wir uns zurzeit mitten in einer Diskussion über den Energiemix der Zukunft.

In den kommenden Jahren müssen Antworten auf das Klimaproblem, die steigenden Energiepreise und die Frage nach der Versorgungssicherheit gefunden werden. Solange die Diskussion nicht abgeschlossen ist, wäre es fahrlässig, beim Atomausstieg weitere Fakten zu schaffen.

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