Atompoker
Teheran spielt auf Zeit

Teheran spielt im Atompoker mit hohem Einsatz. Die Entführung der 15 britischen Soldaten im Grenzgebiet zwischen Iran und Irak hat der neuen Uno-Resolution erfolgreich die Schau gestohlen. Geschickt setzt das Mullah-Regime jetzt die britischen Geiseln mit fünf eigenen Staatsbürgern gleich, die von den Amerikanern Anfang des Jahres im Irak festgesetzt worden waren.

Damit macht Präsident Mahmud Ahmadinedschad klar, dass er sich weder von den USA noch von der Uno unter Druck setzen lässt. Ein Signal, das sich an die Weltöffentlichkeit und an das eigene Volk richtet.

Strategisch hält Iran eisern an seinem nuklearen Anspruch fest. Taktisch versucht Achmadinedschad, Zeit zu gewinnen. Er sieht, dass die Weltgemeinschaft zusammenhält und den Sanktionsdruck langsam, aber durchaus spürbar erhöht. Diesen Prozess will er verzögern, um die Nukleartechnologie voran zu treiben – und so vollendete Tatsachen zu schaffen.

Doch Ahmadinedschad läuft Gefahr, sein Blatt zu überspielen. Iran mag eine Theokratie sein, aber keine Diktatur. Daher müssen die religiösen Herrscher durchaus Rücksicht auf die Stimmung der Bevölkerung nehmen. Und die hat an einer Isolation kein Interesse.

Mehr zur Außenpolitik im Weblog Madagaskar

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
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