Aufsichtsräte
(K)eine Frage der Philosophie

Ein Bürokratenmonster mit Namen „Vorstandsvergütungsoffenlegungsgesetz“ hat etwas zu Stande gebracht, was Korpsgeist zuvor beharrlich verhinderte: volle Gehaltstransparenz der Managerelite. Selbst Aufsichtsräte, die vom Gesetz gar nicht gemeint sind, üben sich nun in freiwilliger Offenheit. Der Blick auf die führenden deutschen Konzerne fördert Interessantes zu Tage: Die Vergütung scheint eine philosophische Frage zu sein. Erstens schwanken die Bezüge der Räte um das Zehnfache. Und zweitens gibt es Firmenaufseher, die nur Festgehalt beziehen. Andere werden fast nur nach Unternehmenserfolg bezahlt.

Worin liegt hier der Sinn? Sicher, ein Sportartikelhersteller wie Adidas muss sich schon kräftig strecken, um jemals den Umsatz des größten Industriekonzerns Daimler-Chrysler zu erreichen. Und die Ertragslage eines Chemiekonzerns liegt sicher meilenweit von der einer Bank entfernt. Doch eine Rechtfertigung für dieses Vergütungssammelsurium ist das nicht. Denn im Grunde wird von allen Aufsehern dasselbe verlangt. Sie sollen globale Konzerne kontrollieren und Sparringspartner der Vorstände sein. In diesen Punkten sind Aufsichtsräte gleich, egal für wen sie tätig sind. Die großen Unterschiede lassen sich vielleicht mit Traditionen erklären. Wenn die Gremien, wie zu Zeiten der alten Deutschland AG, mit ehemaligen Vorständen und befreundeten Bankern besetzt werden, ist die Vergütung Nebensache.Doch der Wettbewerb um die besten Talente geht nicht spurlosn Aufsichtsräten vorbei. Im Gegenteil: Profis statt Feierabendaufseher sind gefragt. Dieser Wettkampf wird zur Angleichung der Bezüge führen und nicht, wie oft befürchtet, der Neidkomplex unterbezahlter Aufsichtsräte.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent
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