Aufsichtsratschef hat der Hypo Real Estate geschadet
Viermetz hätte eher gehen sollen

Für einen Abschied in Würde war es zu spät. Stur hat sich Kurt Viermetz geweigert, als Aufsichtsratschef die Mitverantwortung für das Debakel bei der Hypo Real Estate zu übernehmen. Selbst, wenn er sich keiner Schuld bewusst sein sollte: Schon aus Rücksicht auf das Unternehmen hätte Viermetz längst seinen Hut nehmen müssen.

DÜSSELDORF. Der 69-Jährige war zur Belastung für den angeschlagenen Konzern geworden. Erst als der Druck von Bundesregierung und Konsortialbanken unerträglich wurde, machte Viermetz den Weg frei für den so dringend notwendigen Neuanfang an der Spitze. Mit unbelastetem Führungspersonal kann die Bank nun in den weiteren Überlebenskampf ziehen.

Verspätete Rücktritte sind in München derzeit ja keine Seltenheit. CSU-Chef Huber und Minis-terpräsident Beckstein verpassten den richtigen Moment ebenso wie Hypo-Real-Estate-Chef Georg Funke. Sie mussten nach quälenden Tagen aus dem Amt gedrängt werden, statt erhobenen Hauptes noch einmal Souveränität zu beweisen.

Bei Viermetz lief es nicht anders. Wie schon Funke ging er nicht, weil er etwas falsch gemacht haben könnte. Das Eingeständnis einer Mitschuld ist in der Branche nicht gerade populär. Die Finanzkrise ist - scheint?s - wie ein Gewitter aus heiterem Himmel über die Finanzdienstleister niedergegangen.

Dabei verdrängen Funke und Viermetz, dass das gewagte Refinan-zierungsmodell der HRE-Tochter Depfa nur bei Schönwetter funktionierte. Der Vorstand hat da nicht rechtzeitig gegengesteuert, der Aufsichtsrat bei seiner ureigensten Kontrollpflicht versagt. Das aber will niemand einräumen. Funke hatte den Garantieschirm durch den Bund sogar noch als innovatives Finanzierungsmodell gepriesen, statt ihn als Bankrotterklärung zu erkennen.

Die Scherben, die Funke und Viermetz hinterließen, müssen nun andere zusammenkehren. Der neue Vorstandschef Axel Wieandt kann zumindest auf das Vertrauen der Konsortialbanken setzen - und gilt als kluger Kopf noch dazu. Im Aufsichtsrat sind vor allem Großaktionär Christopher Flowers und seine Leute gefragt. Der US-Finanzinvestor hat sich bisher dezent im Hintergrund gehalten. Dies wird er ändern müssen, wenn er zumindest einen kleinen Teil seines Milliardeninvestments wiedersehen will.

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