AUFZUGSKARTELL
Scharfe Waffe

Vorbei ist es mit all der Herrlichkeit.

Wie stolz war Thyssen/Krupp auf seine Aufzugssparte. Der drittgrößte Hersteller der Welt baut Lifte für das World Financial Center in Schanghai, das im nächsten Jahr alle anderen Wolkenkratzer der Welt überragen soll. Der schnellste Aufzug Deutschlands im Berliner Daimler-Chrysler-Hochhaus stammt ebenfalls von den Düsseldorfern. Im Frankfurter Renommierbau Main Triangel bewegen sich gleich zwei High-Tech-Lifte aus dem Hause Thyssen/Krupp in einem Schacht.

Im schweizerischen Luzern, wo Schindler seinen Hauptsitz hat, staunen die Besucher einmal im Jahr, wenn der Konzern anlässlich der Jahreszahlen einen seiner raren öffentlichen Auftritte absolviert, darüber, was die Eidgenossen so alles austüfteln: Aufzüge, die ohne einen Maschinenraum auskommen. Automatische Zutrittskontrollen an der Lifttür, durch die nur bestimmte Personen in bestimmte Etagen gelangen können.

Vorbei. Die Aufzugbranche erhält jetzt nicht nur von den EU-Kartellwächtern die Quittung für jahrelange Preisabsprachen. Auch diejenigen, die wirklich Geld verloren haben, die Kunden, verlangen Schadensersatz. Eine neue Rechtsprechung im Kartellrecht macht es möglich.

Der Schaden für die Unternehmen ist beträchtlich. Nicht nur finanziell belasten die Prozesse und Urteile, die bislang jedesmal gegen Thyssen/Krupp, Schindler und Konsorten ausgefallen sind, die Unternehmenskassen. Auch der Ruf leidet, wenn in regelmäßigen Abständen neue Hiobsbotschaften über die Aufzugshersteller aus den Gerichtssälen zwischen Wien und Düsseldorf dringen. Das Kartellrecht, einst als Papiertiger verhöhnt, ist damit zu einer scharfen Waffe geworden.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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