Ausbildung
Der leichtere Weg

Vor kurzem wusste kaum jemand, was eine „Einstiegsqualifizierung“ ist. Heute ist aus dem neuen Instrument am Ausbildungsmarkt schon ein Normalfall geworden.

Zuletzt haben die Unternehmen sage und schreibe 42000 dieser Praktikumsplätze für schwächere Schulabgänger angeboten. Nun stockt der Bund die Finanzierung dementsprechend auf. Das tut er jedoch vor allem deshalb, weil die Lehrstellenlücke wieder größer ist als im Vorjahr.

Es fällt jedoch auf, dass Unternehmen sich bei der Bereitstellung von halbjährigen Praktika für eher schwierige Jugendliche offenbar wesentlich leichter tun als mit der Entscheidung, zusätzliche Lehrstellen anzubieten. Das liegt zum einen daran, dass der Staat die Kosten für die Praktikanten übernimmt. Die Unternehmen können dann ein halbes Jahr unverbindlich und kostenlos testen, ob diese auch das Zeug für eine Lehre haben. Fast jeder Zweite fällt am Ende dann doch durch den Rost. Dennoch: Die Chance auf Bewährung in der betrieblichen Praxis ist wesentlich besser als jede Warteschleife bei der Bundesagentur für Arbeit, in der eine halbe Million junger Menschen kreist. Und dass nur gut jeder zweite Praktikant übernommen wird, ist ein weiteres Zeichen dafür, dass diese nicht das nötige Rüstzeug mitbringen.

Gleichwohl darf das soeben verlängerte Programm nicht zur Dauersubventionierung der dualen Ausbildung führen. Dienen die Praktika den Unternehmen als willkommene Testphase, ergibt es Sinn, diese auch auf eigene Rechnung anzubieten. Dienen sie dazu, die Gesamtkosten der Ausbildung zu drücken, wäre es ehrlicher, mit den Gewerkschaften über die Höhe der Lehrlingsgehälter zu streiten. Eine andere Möglichkeit ist die Branchenumlage, wie sie der Bau praktiziert. Doch der Ruf nach dem Staat ist offenbar auch hier der leichteste Weg.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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