Ausbildungspakt
Das lange Warten

Die Wirtschaft hat nachgelegt: Für die zweite Halbzeit des Ausbildungspaktes versprechen sich BDA, DIHK und Handwerk doppelt so viele neue Lehrstellen als bisher vereinbart. Zudem wollen sie jährlich 30 000 Betriebe neu zur Ausbildung bekehren Betriebe. Super! Aber nur auf den ersten Blick. Denn sämtliche nun schriftlich festgeklopften Ziele hat die Wirtschaft bereits übererfüllt. Sehr viel Mut erfordert das neue Versprechen also nicht. Für die Jugendlichen heißt das: Es wird noch einige Jahre lang nicht genügend Lehrstellen für Schulabgänger und Altbewerber geben.

Das ist eine schlechte Nachricht für den Standort Deutschland. Denn mit jedem Jahr sinkt die Chance, aus einem Altbewerber noch einen motivierten Lehrling zu machen. Und schon in wenigen Jahren wird die Wirtschaft auf Grund sinkender Zahlen von Schulabgängern händeringend nach Jugendlichen suchen, die sie zu Fachkräften ausbilden darf. Zudem kostet die Notversorgung der Jugendlichen in den Warteschleifen der Bundesagentur für Arbeit horrende Summen. Dennoch ist es nicht zu verachten, dass sich die Wirtschaft zumindest auf das erreichte Niveau festlegt. Künftig kann sie diese Latte nicht mehr unterschreiten. Der Bund muss nun vor allem darauf achten, dass die von ihm bezahlten Betriebspraktika, die Einstiegsqualifizierungen, auch tatsächlich den schwachen Schulabgängern zu Gute kommen und nicht von den Betrieben als verlängerte Probezeit missbraucht werden. Dann sind sie allemal besser als jede Maßnahme der BA.

Der Ruf der Gewerkschaften nach einer Ausbildungsumlage ist müßig. Es wird sie nicht geben. Wenn sie etwas für die Jugendlichen und den Standort tun wollen, haben sie in den Tarifrunden Gelegenheit dazu. Zur Not müssten sie hier ein paar Zehntelprozentpunkte Lohnforderung opfern.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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