Ausländische Dax-Investoren
Kommentar: Stabilität mit Staatsfonds

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Ausländische Anleger erobern den Dax. Sie beweisen damit ein gutes Händchen. Schließlich verdreifachten sich die Kurse in nur vier Jahren. Natürlich wird der Dax auch wieder fallen, wenn die Konjunktur nicht mehr so gut läuft. Doch dafür tragen dann keineswegs die Ausländer die Verantwortung, weil sie sich unseren Konzernen womöglich emotional wenig verbunden fühlen. Im Gegenteil: Sie dürften den schwankungsanfälligen Dax bei künftigen Turbulenzen stabilisieren.

Bricht die europäische Konjunktur ein, weil die Immobilienkrise doch noch auf die Industrie übergreift, droht den Börsen mit Blick auf 2008 Gefahr. Anleger im Dax müssen sich dann besonders warm anziehen. Denn Deutschlands Börsenbarometer stürmt seit jeher im Aufschwung mehr als andere Indizes nach vorne, um dann im Abschwung tiefer zu fallen. Ursache sind viele konjunkturempfindliche Werte à la Thyssen-Krupp und MAN. Sie profitieren vom investitionsgetriebenen Aufschwung. Doch in Rezessionen sind Gewinneinbrüche von 30 und mehr Prozent bei zyklischen Firmen eher die Regel als die Ausnahme.

Doch ein tiefer Fall wie nach dem Platzen der Technologieblase, als der Dax drei Viertel seines Wertes verlor, droht kaum. Erstens sind deutsche Konzerne nicht mit damals zu vergleichen. Sie verdienen mehr als doppelt so viel wie im Boomjahr 2000, haben sich inzwischen global vernetzt, die Produktion enorm gestrafft und ihre Kosten dramatisch gesenkt. Das macht sie ein Stück wetterfester.

Zweitens dürften die vielen ausländischen Anleger dem Dax mehr Stabilität geben. Gemessen am letzten Börsenabschwung vor fünf Jahren, haben sie ihren Anteil am Dax um die Hälfte erhöht. Typische Käufer sind Investment- und Pensionsfonds. Sie aber wechseln ihre Favoriten seltener als amerikanische oder britische Kleinanleger, die kaum auf deutsche Aktien setzen.

Noch mehr Stabilität für den Dax und das gesamte Finanzsystem versprechen mit Blick auf künftige Krisen die milliardenschweren Staatsfonds. Kuwait beispielsweise hält Daimler seit über 30 Jahren die Treue – auch als die marode US-Tochter Chrysler den Automobilkonzern nach unten riss, viele Anleger das Weite suchten und der Firmenwert sich drittelte.

Nicht nur Kuwait, auch der jüngste Einstieg von Abu Dhabi und Singapur bei den angeschlagenen Großbanken Citigroup und UBS sowie von Dubai bei der Deutschen Bank federn die enormen Börsenschwankungen ab. Milliardenspritzen signalisieren den nervösen Märkten, dass genug Kapital auch in der Finanzkrise vorhanden ist. Sollten deutsche Banken oder Versicherungen stärker in Schieflagen geraten und deren Kurse abstürzen, werden Staatsfonds nicht zögern, sich hier noch weiter einzukaufen, und so einen Fall des Dax wie im Frühjahr 2003 verhindern.

Den allermeisten Staatsfonds geht es dabei keineswegs um Machtpolitik und Okkupation westlicher Werte. Vielmehr versuchen die Schwellenländer, ihre überbordenden Überschüsse zu verteilen, um so die Risiken zu streuen. Denn am Ende wollen sie dasselbe wie jeder andere Anleger: Rendite. Dafür bietet auf lange Sicht die Finanzkrise mit tief fallenden Aktienkursen vieler Großbanken gute Chancen.

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