Auslandseinsätze der Bundeswehr
Kommentar: Die Lehre vom Hindukusch

Der Selbstmordanschlag auf die Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan hat die Politiker in Washington daran erinnert, was die USA und Deutschland trotz ihres Streits um den Irak-Krieg eint: die Bereitschaft, internationale Verantwortung zu übernehmen.

Tod trennt nicht nur, er verbindet manchmal auch. Deshalb wird US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld seinem Kollegen Peter Struck heute in Garmisch-Partenkirchen eine Spur herzlicher die Hand schütteln als in der Vergangenheit. Denn der Selbstmordanschlag auf die Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan hat die Politiker in Washington daran erinnert, was die USA und Deutschland trotz ihres Streits um den Irak-Krieg eint: die Bereitschaft, internationale Verantwortung zu übernehmen – und die Bereitschaft, dafür ein Risiko für die eigenen Soldaten in Kauf zu nehmen.

Für die USA, aber auch etwa für Frankreich oder Großbritannien ist diese Erkenntnis nicht neu. Der Gedanke an den möglichen Tod von Soldaten im Auslandseinsatz ist fester Bestandteil aller außen- und sicherheitspolitischen Überlegungen dieser Länder. Dahinter steckt kein größerer Zynismus, sondern eine aus Erfahrung gewonnene Erkenntnis: Die Durchsetzung eigener Interessen und Werte ruft zwangsläufig Widerstand hervor und ist nicht ohne Risiken.

Für das deutsche Denken ist dagegen die Vorstellung noch ungewohnt, selbst ins Visier zu geraten. In einer historisch bedingten Sonderrolle haben wir als Reaktion auf das nationalsozialistische Grauen nach 1945 die Kultur einer demonstrativen Friedfertigkeit gepflegt. Die ethisch bedenkliche „Schmutzarbeit“ erledigten andere Staaten. Dies hat den Deutschen ein harmloses, fast neutrales Image im Ausland beschert – und ein oft naives Weltbild im Inneren erhalten. Beides ändert sich, seit Deutschland weltweit Partei ergreift.

Umso bedenklicher ist, dass die innenpolitische Debatte nicht zum Kern kommt: Die Bundesregierung verweigert jede Diskussion, was größtmögliche Sicherheit – auch für die Soldaten – eigentlich kostet. Und die Opposition nährt mit ihrer Kritik an „gefährlichen“ Bundeswehr-Einsätzen die Illusion, als ob es dies wirklich geben könnte: einen Auslandseinsatz ohne Risiko. Die Gefahr beider Haltungen ist gleich groß. Versteht die Bevölkerung nicht wirklich, wieso Deutschland etwa auch am Hindukusch verteidigt werden muss und warum dies etwas kostet, wächst wieder die Sehnsucht nach der alten, so bequemen Verantwortungslosigkeit. In der Debatte um einen Kongo-Einsatz ist bereits sichtbar, wie viele davon träumen.

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