Außenhandel
Britische Wirtschaft kann sich behaupten

Auch wenn die liberal-konservative Regierung von David Cameron viele Tiefschläge erlitt: Die Außenhandelsbilanz Großbritanniens ist trotz Krise hervorragend. Für Deutschland bleiben die Briten ein wichtiger Partner.
  • 5

Für David Cameron, den jugendlich-naiv und unverbraucht wirkenden, aber ziemlich zynisch agierenden britischen Premierminister, waren die letzten Wochen keine leichte Zeit. Die britische Volkswirtschaft fällt mangels konsumsteigender Nachfrage in eine neue (leichte) Rezession zurück. Und aufgrund haarsträubender Gerichtsenthüllungen über engste Beziehungen zwischen der Regierung und den Presseorganen des berühmt-berüchtigten Medienoligarchen Rupert Murdoch leidet Cameron unter herbem Vertrauensverlust.

Jenseits der Politik aber sind die ökonomischen Daten beachtlich gut. Die jüngsten deutschen wie europäischen Handelsbilanzdaten liefern handfeste Indizien dafür, dass die britische Volkswirtschaft sich in einem schwierigen globalen Umfeld besser als vielfach erwartet behauptet. Ein überraschender Befund: Trotz allen Schwächelns blieb Großbritannien auch im letzten Jahr bei den Mitgliedsländern der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) vor den Vereinigten Staaten und China der bei weitem wichtigste Handelspartner. Gegenüber Deutschland sind die Briten - wieder vor China und den USA, hinter Frankreich und den Niederlanden - Außenhandelspartner Nummer drei. 

Wie jeder in Europa weiß, sucht die deutsche Industrie weltweit Kunden. Die volkswirtschaftliche Integration entwickelt sich am dynamischsten mit schnell wachsenden Schwellenländern. Die intensivsten Handelsbeziehungen existieren aber nach wie vor innerhalb Europas. Hier nimmt Großbritannien, obwohl kein Mitglied in der Währungsunion, einen erstaunlich robusten Platz ein. Mehr noch: Aufgrund der vielseitigen wirtschaftspolitischen Verflechtungen zwischen beiden Ländern erweist sich das Vereinigte Königreich als Zukunftsmodell für eine nachhaltige Wirtschaftspartnerschaft mit Deutschland.

Die Statistik spricht hier Bände. 2011 erhöhte sich der britische Export in die 17 EWWU-Staaten um zwölf Prozent auf 166 Milliarden, der chinesische dagegen um nur vier Prozent auf 217 Milliarden Euro. Insgesamt lag das Außenhandelsvolumen der Briten mit den Euro-Mitgliedsländern bei 379 Milliarden Euro, weit vor den USA mit 337 Milliarden und China mit 332 Milliarden Euro. Gegenüber Deutschland war der Erfolg nicht minder beeindruckend: Der Export nach Deutschland stieg 2011 um 27 Prozent auf 63 Milliarden, der Import um 16 Prozent auf 84 Milliarden Euro.

Seite 1:

Britische Wirtschaft kann sich behaupten

Seite 2:

Außenhandel mit Großbritannien dynamischer

Kommentare zu " Außenhandel: Britische Wirtschaft kann sich behaupten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der Artikel ist sehr interessant. Allerdings haben wir mit dem € eine erforderliche Größe erreicht, die ihn zu einer der weltweit führenden Währungen im Außenhandel macht. Sicher mag es im Einzelfall nicht darauf ankommen, wenn ein €-Mitgliedsaat aus dem € auscheidet oder eines wie beispielsweise England eintreten würde.

    Für die einzelnen Unternehmen in England und Deutschland hielte ich es aber im bilateralen Wirtschaftsaustausch für einen Vorteil, wenn wir die Devisienschwankungen zwischen dem GBP und dem € nicht hedgen müssten. Dies wäre ein großer Vorteil.

    Allerdings dürften die Briten in LN an eben diesen Hedgeschäften nicht ganz unerheblich verdienen, weshalb nicht zuletzt auch deshalb in LN der € abgelehnt wird.

    Langfristig ist das hedgen der eigenen Währung aber ein erheblicher Nachteil für die Briten und es wirkt wie eine umgekehrte Ausfuhrsteuer auf Produktionsgüter.

    Nicht zuletzt deshalb sei damit auch erklärt, weshalb die Kennzahlen über die exportierten Produktionsgüter bei den Briten so unerfeulich nierdrig sind.

    Ich habe nicht zuletzt deshalb die Vermutung, dass am starken Bankensektor der Briten das produzierende Gewerbe in England leidet und die dort Angestellten.

  • Deutschland wurde der Euro auferzwungen, um Deutschland in die Knie zu zwingen.

    Aber selbst dieses Wahnsinns Attentat auf Deutschland hat ihm nicht geschadet.

    Die Feinde Deutschlands sind am verzweifeln.

  • "Seit Beginn der Währungsunion im Jahr 1999 hat sich der Außenhandel zwischen Deutschland und Großbritannien viel dynamischer entwickelt als der mit dem Hauptpartner Frankreich."

    Kann nochmal jemand erklaeren, warum wir eigentlich den Euro brauchen?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%