Auswanderung
Lockruf der Ferne

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Die Zahlen aus Wiesbaden sind ein Knaller: Im vergangenen Jahr sind unter dem Strich gerade mal noch 23 000 Menschen nach Deutschland zugewandert. Vorbei sind die Zeiten, als Jahr für Jahr Hunderttausende mehr kamen, als uns verließen. Diese niedrige Marke hat vor allem zwei Ursachen: Erstens kommen fast keine Spätaussiedler mehr aus dem Osten. Diese waren zwar im Schnitt nicht sehr qualifiziert und auf Grund mangelnder Sprachkenntnisse immer schwerer zu integrieren. Über Jahre hinweg haben sie aber zumindest für eine Verjüngung der vergreisenden Bevölkerung Deutschlands gesorgt. Gravierender ist zweitens der Trend zur Auswanderung der Deutschen. Denn es sind vermutlich vor allem die jungen, gut ausgebildeten Menschen, die ihr Glück jenseits der Grenzen suchen, die Handwerker und Akademiker.

Nun kann man sich zurücklehnen und darauf hoffen, dass der Aufschwung den Leistungsträgern wieder mehr Gründe bieten wird, die Koffer im Schrank zu lassen. Andererseits könnte es gut sein, dass die große Welle der Auswanderung gerade erst begonnen hat, dass einer den anderen nachzieht. Dies ist deshalb schwer auszuloten, weil es keine belastbare Untersuchung darüber gibt, wer auswandert und vor allem warum. Hier wäre Geld für eine große Studie gut angelegt. Parallel dazu gilt es, den Exodus an Fachkräften möglichst schnell zu stoppen: Wer hoch qualifizierte Arbeitnehmer nicht an Nachbarländer wie die Schweiz und Österreich, neben den USA die beliebtesten Ausreiseziele, verlieren will, muss schon heute so attraktive Arbeitsbedingungen bieten, wie sie sie dort finden. Flankierend muss der Bund endlich die Zuwanderungsbedingungen für Hochqualifizierte lockern und so verhindern, dass der Ruf Deutschlands als Innovationsstandort Schaden nimmt.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin

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