Auto-Allianzen
Ungeliebter Partner

Noch im Sommer hat sich Renault-Chef Carlos Ghosn für eine vermeintlich gute Idee feiern lassen: In einer Allianz mit dem amerikanischen Konkurrenten General Motors wären die Franzosen zum größten und mächtigsten Automobilhersteller der Welt aufgestiegen. Nur schade, dass GM bei der ganzen Sache nicht mitgemacht hat.

Ghosns Idee ist wie eine Seifenblase zerplatzt. GM-Chef Rick Wagoner sieht überhaupt keine Vorteile darin, sich auf ein Bündnis mit dem französischen Kollegen einzulassen. Nur Renault hätte wahrscheinlich Milliarden bei Einkauf und Entwicklung gespart. Zudem ist Wagoner ein gebranntes Kind: Vor zwei Jahren war die Allianz mit Fiat gescheitert, aus der sich GM nur mit einem Milliardenbetrag herauskaufen konnte. Eine zweite Pleite konnte und wollte sich Wagoner nicht erlauben.

Carlos Ghosn hätte schon früher erkennen können, dass sein Vorstoß bei GM nicht auf große Zustimmung gestoßen war. Doch unbeirrt hielt er an seinem Plan fest und versuchte den Eindruck zu erwecken, die Allianz sei auf bestem Wege. Es sieht nun nicht danach aus, dass der Renault-Chef aus den Erfahrungen mit GM gelernt hätte. Schon wieder spricht er davon, dass er gern eine Kooperation auf dem US-Markt eingehen würde. Der Name ist zwar nicht ausgesprochen, aber Ghosn meint Ford.

Die ersten Reaktionen von Ford sind zurückhaltend, fast schon abweisend. Auch die Nummer zwei auf Amerikas Automarkt verspricht sich nicht viel von einem Bündnis mit Renault. Vielleicht reift bei Carlos Ghosn bald die Erkenntnis, dass er in den USA kein erwünschter Partner ist. Zu Hause hat er Probleme genug, Renault strauchelt in Europa. Ghosn sollte sich besser darauf konzentrieren.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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