Auto-Reimporte: Der graue Markt

Auto-Reimporte
Der graue Markt

Der Ärger für die deutsche Automobilindustrie ist schon groß genug: Der schwache US-Dollar sorgt dafür, dass die Gewinne auf dem amerikanischen Markt empfindlich schrumpfen und der Ausgleich für den schwachen Heimatmarkt verloren geht.

Doch jetzt zeichnet sich ein weiteres Ärgernis ab. Die schwache US-Währung lädt Grauhändler dazu ein, deutsche Exportautos in den USA einzukaufen und in Europa unter den gängigen Marktpreisen wieder abzugeben – und das immer noch mit Gewinn. Die währungsbedingten Preisunterschiede sind inzwischen so groß geworden, dass sich dieses Geschäft trotz zusätzlicher Transport- und Zulassungskosten lohnt. Insbesondere bei teuren Luxuskarossen klingelt die Kasse.

Die deutschen Autokonzerne werden wahrscheinlich versuchen, ihren amerikanischen Vertragshändlern Fesseln anzulegen und den Verkauf ihrer Autos an findige Grauhändler zu unterbinden. Die Hersteller hatten solche Probleme schon einmal: In den neunziger Jahren wurden deutsche Autos in großer Zahl aus europäischen Nachbarländern weit unter Preis reimportiert.

Doch die Anstrengungen waren meistens vergeblich. Grauhändler sind einfach pfiffige Unternehmer, die jede denkbare Lücke im Marktgeschehen nutzen. Und deshalb konnten die deutschen Autohersteller den ungeliebten Reimport ihrer Fahrzeuge zu günstigen Preisen doch nicht stoppen.

Gewiss, der Reimport aus den USA ist komplizierter als innerhalb Europas. Die höheren Transportkosten setzen dem Geschäft schnell eine Grenze. Doch die Autohersteller werden es auch bei den Reimporten über den Atlantik hinweg nicht schaffen, den Handel auszutrocknen. Die Kräfte des Marktes sind einfach stärker.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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