Autobranche
Daimler: Viele Autos, wenig Geld

Zwei wesentliche Fehlentscheidungen rächen sich für Daimler jetzt, wo der Konzern in der Krise steckt. Über sieben Milliarden Euro hat das Unternehmen seit August 2007 für Aktienrückkäufe verpulvert, wie ein Kleinaktionär auf der Hauptversammlung berechtigterweise monierte. Sieben Milliarden Cash, die das Unternehmen in der Autokrise dringend bräuchte.

Zwei wesentliche Fehlentscheidungen rächen sich für Daimler jetzt, wo der Konzern in der Krise steckt. Über sieben Milliarden Euro hat das Unternehmen seit August 2007 für Aktienrückkäufe verpulvert, wie ein Kleinaktionär auf der Hauptversammlung berechtigterweise monierte. Sieben Milliarden Cash, die das Unternehmen in der Autokrise dringend bräuchte.

Weder konnte dadurch der Aktienkurs beflügelt werden, noch wurde das Unternehmen sicherer vor einer Übernahme. Viel zu spät wurde das Rückkaufprogramm im vergangenen Herbst gestoppt, da war die Nachfrage seit über drei Monaten eingebrochen. Nun musste Daimler sich aus Abu Dhabi das fehlende Kapital zu einem schlechten Kurs wieder besorgen.

Dass es mit der Reaktionsgeschwindigkeit des Stuttgarter Konzerns nicht zum Besten bestellt ist, zeigt auch das zweite Beispiel: Viel zu spät drosselten die Stuttgarter die Produktion. Konzernchef Dieter Zetsche musste einräumen, im vergangenen Jahr nicht sofort auf den Absatzeinbruch reagiert zu haben. Die Folge: Zum Jahreswechsel standen 100 000 Fahrzeuge zu viel auf dem Hof, was einem Gegenwert von rund drei Milliarden Euro entspricht. Nur mit hohen Rabatten und lockeren Finanzierungskonditionen lässt sich die Halde abbauen. In der Zwischenzeit werden bis auf die neue E-Klasse kaum Fahrzeuge produziert. Die Auswirkungen dieses Einbruchs sind auch an den jüngsten Pleiten in der Zulieferindustrie zu erkennen.

Sicher ist die Wirtschaftskrise für viele Probleme in der Autoindustrie verantwortlich, aber eben nicht für alle. Daimler hat sich als träger Koloss erwiesen, der zu langsam Fehler korrigiert. Dadurch haben sich die Schwierigkeiten in Stuttgart verschlimmert. Beruhigend ist nur, dass dieser Konzern schon in der Vergangenheit viele Fehlentscheidungen überlebt hat. Die Robustheit des Sterns ist schon erstaunlich. Verlassen kann sich der Konzern darauf aber nicht.

Denn selten war Daimler von einem einzigen Modell so abhängig wie jetzt: Die neue E-Klasse ist zum Erfolg verdammt. Bleibt er aus, könnten sich die Fehler des Managements doch noch als bedrohlich erweisen. Der Konzern verbrennt im Monat eine Milliarde Euro. Die Knautschzone wird immer dünner.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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