Autobranche
Träumen vom VW-Suzuki-Deal

Volkswagen soll einen Einstieg beim japanischen Autobauer Suzuki prüfen - kaum ist diese Spekulation in der Welt, gehen die Aktienkurse der beiden Unternehmen nach oben. Kein Wunder. Die Nachricht klingt plausibel. Und VW-Patriarch Ferdinand Piech zollt den Japanern Anerkennung.

Die Kursgewinne der Aktien des eher kleinen japanischen Autobauers Suzuki und von Europas größtem Autokonzern Volkswagen zeigen, wie sehr die krisengeschüttelten Märkte sich derzeit nach guten Nachrichten sehnen. Die Spekulation dahinter: VW könnte sich zu zehn Prozent an Suzuki beteiligen. Der Kern ist plausibel: Suzuki gilt in der Branche als technisch hochwertiger Hersteller, dessen japanische Kultur gut zum perfektionistischen deutschen Autobauer passen würde.

Das Joint-Venture Suzuki-Maruti ist mit fast 50 Prozent Markführer in Indien, einem der wenigen künftigen Wachstumsmärkte der gebeutelten Autobranche. VW hat dort gerade erst in Pune mit einer eigenen Fabrik begonnen. Dazu kommt: Suzuki selbst ist allein zu klein in der von der Krise befeuerten Konsolidierung der Autobranche, in der Größe ein immer wichtigerer Faktor wird.

Angestoßen hat die Suzuki-Spekulation Volkswagens Patriarch Ferdinand Piëch, als er in Plauderlaune Anfang Mai auf Sardinien nach dem genüsslichen Abklatschen von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking sein Interesse an weiteren Unternehmenskäufen ausbreitete. Zu den bestehenden neun Marken der Wolfsburger wünscht sich der Chefaufseher neben Porsche als Nummer zehn noch den LKW-Bauer MAN, an dem VW bereits beteiligt ist. Über die Nummern zwölf und dreizehn schwieg sich der 72-Jährige dagegen aus. "Ich habe drei weitere Marken im Auge", sagte Volkswagens Aufsichtsratschef lediglich. Auf Suzuki angesprochen, bekundete er seinen Respekt vor dem japanischen Hersteller. Soviel zu den Fakten.

Was passiert nach einer solchen Interessensbekundung des VW-Übervaters in Wolfsburg? Die Manager am Mittellandkanal legen los und schauen sich die Objekte der Begierde lieber einmal genauer an - für den Fall der Fälle. Bei dem "Alten", wie sie ihn respektvoll nennen, weiß man nie genau, was er vorhat.

Allerdings ist die Vorstellung, Volkswagen könnte sich mit nur 10 Prozent an den Japanern sichern, ziemlich unwahrscheinlich. Piëch will ein Unternehmen beherrschen, ohne Sperrminorität ist eine Beteiligung so gut wie sinnlos.

Fest steht: Der VW-Aufsichtsrat hat sich mit dem Thema noch nicht befasst. Geld wäre zwar da, aber Volkswagen kann sich Zeit lassen, bis sich der kurzfristige Suzuki-Wirbel längst wieder beruhigt hat. Wenn kaum einer noch daran denkt, könnte Piëch irgendwann ganz in Ruhe zugreifen.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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