Autohandel
Kommentar: Machtkampf um Margen

Die Automobilhersteller stehen vor Problemen: Die konjunkturelle Schwäche lässt die Absatzzahlen fallen, europaweite Überkapazitäten von 30 Prozent sorgen für eine Verschärfung des Problems. Angesichts der schwachen Ertragslage suchen die Hersteller überall nach Einsparmöglichkeiten – also auch im Vertrieb.

Die Automobilhersteller stehen vor Problemen: Die konjunkturelle Schwäche lässt die Absatzzahlen fallen, europaweite Überkapazitäten von 30 Prozent sorgen für eine Verschärfung des Problems. Angesichts der schwachen Ertragslage suchen die Hersteller überall nach Einsparmöglichkeiten – also auch im Vertrieb.

Die Versuchung ist besonders groß, im Handel zu sparen: Mehr als ein Viertel dessen, was ein Neuwagen beim Händler kostet, geht auf Kosten des Vertriebs. Marketing, Transport, unmittelbarer Aufwand beim Händler – die Liste ist lang. Und natürlich sitzen die Hersteller am längeren Hebel: Sie liefern die Fahrzeuge, sie haben die Markenrechte, sie bestimmen die Marktbedingungen. Der kleine mittelständische Autohändler hat nur wenige Möglichkeiten, sich mit seinem mächtigen Lieferanten anzulegen. Erfüllt er die vom Hersteller vorgegebenen Standards nicht, droht ihm der Rausschmiss aus dem Vertriebsnetz. Und im Zweifel bleibt er auf einem Schuldenberg in Millionenhöhe sitzen, weil er auf Geheiß des Herstellers in neue Hallen investieren musste.

Dass sich an diesem ungleichen Machtverhältnis auch nach der Reform des Vertriebsrechts nicht viel verändert hat, zeigen die jüngsten Entwicklungen. Die Novelle der Gruppenfreistellungs-Verordnung (GVO) hat nicht zu mehr Wettbewerb im Autohandel geführt. Stattdessen versuchen die Hersteller, die Daumenschrauben noch stärker anzuziehen: Die meisten Autohändler müssen sich auf sinkende Margen einstellen. Auch aus der erhofften Preisangleichung in Europa ist bislang nichts geworden – die Verbraucher schauen in die Röhre. Das ruft EU-Wettbewerbskommissar Monti auf den Plan: Er muss bei der GVO schnell nachlegen, damit der Wettbewerb im Autohandel eine Chance hat.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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