Autoindustrie
Für die Autohersteller wird es ernst

Der deutsche Automarkt legte im August um sagenhafte 28 Prozent zu. Der amerikanische Absatz zog immerhin um ein Prozent an, das erste Plus im Jahresvergleich seit Herbst 2007. Endlich Grund zum Feiern für die gebeutelten Autobauer. Ist der Nachfrageeinbruch gestoppt? Mitnichten. Die Bewährungsprobe steht erst an.
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Der deutsche Automarkt legte im August um sagenhafte 28 Prozent zu. Der amerikanische Absatz zog immerhin um ein Prozent an, das erste Plus im Jahresvergleich seit Herbst 2007. Endlich Grund zum Feiern für die gebeutelten Autobauer. Ist der Nachfrageeinbruch gestoppt?

Mitnichten. Die Bewährungsprobe steht erst an. Die Regierungen in Deutschland und den USA haben ihre Abwrackprämien wie geplant abrupt enden lassen. In Deutschland ging der Topf in Höhe von fünf Milliarden Euro gestern zuneige. In den USA war das Programm "Cash for Clunkers" bereits vor einer Woche ausgelaufen. Die Zeit von "Barem für Rostlauben" ist vorbei. Jetzt muss sich zeigen, ob die Hersteller der besonders attraktiv gewordenen kleineren Fahrzeuge, die wie Volkswagen deutlich Marktanteile gewonnen haben, ihre Position halten können.

Klüger wäre es gewesen, die Verschrottungsprämien langsam abzusenken. Die Bundesregierung hat das im Gegensatz zu Frankreich missachtet und damit den Autobauern ein problematisches Wahlkampfgeschenk gemacht. Dank der Staatsknete dürfte der Absatz hierzulande in diesem Jahr trotz historischer Wirtschaftskrise zwar auf mehr als 3,5 Millionen Autos steigen. Doch der Branche droht der zu erwartende Katzenjammer. Das wirklich schlimme Autojahr wird 2010 folgen: Die Hersteller rechnen mit einem Rückgang auf 2,8 Millionen verkaufte Autos im kommenden Jahr.

Natürlich ist die Sonderkonjunktur auf den Automärkten eine Wohltat für die Unternehmen, bei denen in Deutschland vorher Kurzarbeit anstand. Kunden hatten einen Anreiz, die zuvor weitgehend leeren Autohäuser aufzusuchen. Mancher hat am Ende doch ein größeres und besser ausgestattetes Modell genommen als ursprünglich geplant.

Doch es hilft nichts: Wer jetzt ein neues Auto gekauft hat, fällt zumindest bei den deutschen Gewohnheiten für Jahre als Kunde aus. Der Markt bricht nach dem Abarbeiten der Aufträge in den kommenden Monaten zwangsläufig ein. Das Gefährliche daran: Nicht nur der Absatz gerät gewaltig unter Druck, sondern auch die Profitabilität von Herstellern und Handel. Die Kunden haben das neue Rabattniveau, vom Vertrieb meist zusätzlich unterfüttert, längst in ihre Überlegungen eingepreist.

Die Gretchenfrage wird sein, ob es den Autokonzernen gelingt, die gestiegenen Ansprüche intelligent durch Paketangebote, etwa zusätzliche Serviceleistungen, aufzufangen, oder ob sie die Rechnung für die monatlichen Fabelzuwächse voll zahlen müssen. Wer sich auf die Zeit nach dem staatlichen Absatzdoping nicht vorbereitet hat, droht zum Verlierer zu werden.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur

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