Autokrise
Bosch: Droht eine Fehlzündung?

Boschs langfristige Unternehmensstrategie verdient Respekt, erhöht aber die kurzfristigen Risiken.

Franz Fehrenbach ist in den vergangenen beiden Jahren sehr mutige Schritte gegangen, um für Bosch neue Märkte zu öffnen. Langfristiges Denken gilt als Stärke des weltgrößten Automobilzulieferers. Aber was sich auf Dauer rechnen soll, rächt sich zunächst einmal im Krisenjahr 2009.

Die Milliardeninvestitionen in die Solarenergie, die Batteriefertigung oder den Bau von Turboladern belasten die Ertragslage. Sie laufen in vollem Umfang weiter. Und das in einem Jahr, in dem der Konzernumsatz mindestens um 15 Prozent schrumpfen wird. Die Liquidität, die bereits im vergangenen Jahr von zwölf auf acht Milliarden Euro abnahm, wird in diesem Jahr einem auch für Bosch außergewöhnlichen Belastungstest unterworfen. Erstmals seit Kriegsende schreibt Bosch Verluste: über eine Milliarde hat der Vorstand nicht ausgeschlossen. Da die Erholung des Marktes auf sich warten lässt, dürfte der Verlust sogar deutlich höher ausfallen.

Der Konzern in Stiftungsbesitz hat gewaltige Reserven angesammelt. Aber er musste auch noch nie so auf sie zurückgreifen wie in diesem Jahr. Werden Zukunftsfelder definiert, dann weicht Fehrenbach von dem Kurs nicht so schnell ab. Auch das kostspielige Ziel, die Stammmannschaft an Bord zu halten, verdient Respekt, auch wenn dieses Ziel immer schwerer zu halten sein wird.

Das Selbstbewusstsein, auch in den neuen Feldern technologisch mit besseren Lösungen als die Konkurrenz zu reüssieren, ist auf der Stuttgarter Schillerhöhe am Firmensitz sehr groß. Das ist eine der Stärken des Konzerns. Aber eben bisweilen auch eine der Schwächen, wie die Vergangenheit gezeigt hat. Die Einspritztechnologie Pumpe-Düse wurde von Commonrail verdrängt. Bosch konnte gerade noch umschwenken. Beim Dieselpartikelfilter hat der Konzern zu lange an der vermeintlich überlegenen Technologie gefeilt. So etwas darf beim Eintritt in den Markt mit Turboladern, Solarenergie oder Batterietechnologie nicht passieren.

Dass Bosch direkt in den Bau von Batteriezellen einsteigt, ist typisch für die Schwaben. Wenn es um den Kern der Dinge geht, schrecken sie nicht einmal vor chemischen Prozessen, bislang keine der Domänen des Konzerns, zurück. Aber die Risiken des Scheiterns sind hoch, bei allem Respekt.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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